Vom Gejammer der Intendanten und dem Nachtprogramm der ARD-Popradios

Das Gejammer der Intendanten ist falsch

ARD und ZDF erwecken den Eindruck, die Politik zwinge sie zu üblen Programmstreichungen. Das ist Nonsens, das Angebot wird sogar größer. […]

Der novellierte Medienstaatsvertrag sieht vor, dass die ARD ab 1. Januar 2027 die Zahl der Hörfunkkanäle von 70 auf 53 reduziert. Gestrichen werden – von den Anstalten wohlgemerkt – ausgerechnet Kultur- und Infoangebote, die zum Kernauftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks gehören. Mit dem so eingesparten Geld werden, wie es in einer Pressemeldung heißt, anstelle der DAB+-Angebote unter anderem Webradio-Streams produziert. So wird die Reform wird zur Farce. […]

Alles, was die beiden öffentlich-rechtlichen Systeme der Öffentlichkeit in den vergangenen Wochen an Reformen so verkauft haben, als entspreche das einem eigenen Zukunftskonzept, schreibt der Staatsvertrag vor. Und alles, was nicht gefordert oder begrenzt ist, wird auch nicht in Angriff genommen, sondern eher weitet man aus, was nicht verboten ist. So mutiert eine notwendige Reform, wie bei den Audio-Angeboten, um die Belastung der Bürger in Grenzen zu halten, zu einer Expansion über andere Verbreitungswege, die neue Kosten verursacht. Es ist anscheinend vergebens, zu hoffen, dass beide Senderverbünde aus eigenem Willen Veränderungen anstreben, um ihre Akzeptanz in der Gesellschaft wieder zu erhöhen. Die Länder müssen sie diktieren. […]

Auf den aktuellen Reformstaatsvertrag muss schnell ein Update folgen. Gehen die Länder nicht in Vorlage, wird sich bei ARD und ZDF nichts bewegen.

https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien-und-film/medienpolitik/ard-und-zdf-gejammer-der-intendanten-ist-falsch-200666663.html

Nachtprogramm der ARD-Popradios

In den Popwellen der ARD kommen Verkehr und Wetter nachts neuerdings von KI-Stimmen. Die klingen steif, machen Aussprachefehler und beweisen: Selbst banalste Aufgaben lassen sich nicht mal eben automatisieren. […]

Jetzt vermelden KI-Kollegen zur vollen Stunde nach den Nachrichten den Verkehr, zur halben Stunde noch einmal Wetter und Verkehr. Diese Durchsagen klingen allerdings mehr nach Notlösung als nach Innovation. […] Das Ergebnis liegt irgendwo zwischen beeindruckend und nervig. […]

KI-Stimmen sind über das Niveau von Navi-Ansagen und Telefon-Sprachcomputern inzwischen weit hinaus, aber von menschengemachtem Radio noch Lichtjahre entfernt. Vor allem der Verkehrssprecher leiert seine Infos mit der immergleichen Sprachmelodie herunter. Dabei ist er irritierend gut gelaunt, auch bei ungesicherten Unfallstellen, defekten Fahrzeugen oder „Verzögerungen um bis zu 20 Minuten“. Die Betonung liegt oft einen Mü neben dem, was richtig wäre. […]

Für Radioästheten ist das ein Graus. Alles Verspielte, Freundliche, Persönliche geht verloren. Gerade solche Routinerubriken nutzen Moderatoren ja gerne für Geplänkel, Wortspiele, Nonsens. Stattdessen nüchterne akustische Informationsvermittlung. […]

Rund 373.000 Hörer hat das Gemeinschaftsprogramm zwischen 22 und 23 Uhr laut ARD im Schnitt, später in der Nacht vermutlich noch sehr viel weniger. Bisher gebe es noch keine konkreten Pläne, die Software auch in anderen Programmstrecken einzusetzen, sagt Kraus, ausschließen will er das aber nicht. […]

Die automatisierten KI-Meldungen liefern den Hörern tatsächlich einen Mehrwert, mit Abzügen in der B-Note. Dass die ARD die Technologie in Zukunft auch anderswo und in größerem Stil nutzen könnte, klingt aber eher nach Drohung als nach Verheißung – zumindest für eingefleischte Radioliebhaber.

https://uebermedien.de/115575/und-jetzt-zum-ki-wetter/