ARD und ZDF verteidigen TV-Duell-Pläne gegen scharfe Kritik

Bildet ein TV-Duell zwischen den Kandidaten von SPD und CDU die aktuelle politische Lage vor der Bundestagswahl sinnvoll ab? ARD und ZDF verteidigen nach scharfer Kritik von Grünen und AfD ihre Pläne jedenfalls. […]

Ein ARD-Sprecher erklärte auf DWDL-Anfrage dazu: „Es stimmt nicht, dass sich der Spitzenkandidat der Partei Bündnis90/Die Grünen, Robert Habeck, bereits vor der Einladung von ARD und ZDF schriftlich gegen eine Teilnahme ausgesprochen hätte“ – wobei das Wort „schriftlich“ hier entscheidend sein dürfte. ZDF-Chefredakteurin Bettina Schausten räumt im Interview mit @mediasres im Deutschlandfunk weniger auf Formalitäten bedacht ein: „Wir haben in der Tat gehört, dass die Grünen (…) lieber eine Triellsituation bevorzugt hätten.“

Es sei für sie zwar „nachvollziehbar“, dass Habeck sich im Kampf ums Kanzleramt auf Augenhöhe mit Scholz und Merz bewegen möchte, allerdings gäben „noch nicht alle Umfragen aller Umfrageinstitute diese Augenhöhe her“. Es sei aber nicht die Aufgabe der Sender, Wünsche zu erfüllen. Vielmehr müsse man „eine gute Balance finden, wo alle entsprechend auch ihrer Umfragestärke zu Wort kommen“, zudem müssten die Formate auch Abwechslung und Vertiefung bieten können – die Viererrunde wäre aus ihrer Sicht zu nahe an der Elefantenrunde drei Tage vor der Wahl, in der alle zu Wort kommen können.

https://www.dwdl.de/nachrichten/100875/ard_und_zdf_verteidigen_tvduellplaene_gegen_scharfe_kritik/

ZDF-Chefredakteurin: „Unsere Aufgabe ist es nicht, Wünsche zu erfüllen“

Chefredakteurin Schausten verteidigt die Entscheidung des ZDF, Merz und Scholz ohne Habeck im TV-Duell zur Bundestagswahl antreten zu lassen: Umfragen sähen die Grünen deutlich hinter CDU und SPD. Für Habeck ist ein zweites Duell mit Weidel (AfD) geplant.

https://www.deutschlandfunk.de/bettina-schausten-ueber-kritik-an-geplanten-tv-duellen-von-ard-und-zdf-dlf-cf61b1f0-100.html

Robert Habeck durchkreuzt die Pläne von ARD und ZDF für ein zweites großes TV-Duell. Der Spitzenkandidat der Grünen hat einer entsprechenden Sendung, in der er zusammen mit AfD-Chefin Alice Weidel zu sehen sein sollte, eine Absage erteilt. Man werde die Einladung der öffentlich-rechtlichen Sender „nicht akzeptieren“, erklärte Habecks Wahlkampfsprecher jetzt gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

„Wir hatten ein solches Duell im Vorfeld klar ausgeschlossen und auch mitgeteilt, dass wir eine Einladung nicht akzeptieren werden“, sagte der Sprecher weiter. „ARD und ZDF haben dennoch eine Einladung ausgesprochen und dann Fakten geschaffen mit ihrer Pressemitteilung. Warum das zwei Monate vor der Wahl verkündet werden musste, ist unverständlich. Damit greifen ARD und ZDF in einen extrem kurzen, intensiven und vor allem offenen Wahlkampf ein.“ Vor allem Habecks Umfragewerte seien so gut, dass niemand voraussagen könne, wie die Wahl ausgehen werde.

https://www.dwdl.de/nachrichten/100859/robert_habeck_lehnt_tvduell_mit_alice_weidel_ab/

Die ARD äußerte sich ähnlich und erläuterte: „Konkret: Wir machen ein Duell mit dem Kandidaten, der bei der letzten Bundestagswahl die meisten Stimmen auf sich vereint hat, und demjenigen, der laut Umfragen derzeit deutlich vorne liegt. Wir veranstalten kein Kanzler-Duell.“ Da es zwei weitere Parteien gebe, die seit der letzten Bundestagswahl konstant über zehn Prozent lägen, hätten ARD und ZDF auch deren Spitzenkandidaten eingeladen, hieß es weiter. Hierzu seien Habeck und Weidel angefragt. Weidel sagte allerdings: „Ich habe noch keine Anfrage erhalten, ein Doppel zu machen mit Robert Habeck.“

https://www.sueddeutsche.de/politik/bundestagswahlkampf-tv-duelle-zwischen-scholz-und-merz-kritik-von-konkurrenz-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-241217-930-320002

Die ARD sagt zu „DWDL“, Habeck habe nicht schon vor der Einladung schriftlich abgesagt. FDP-Politiker Christian Lindner zeigt sich derweil gegenüber „Bild“ offen für ein Duell mit Alice Weidel: „Wer zeigen will, dass die Alternative eben gerade keine ist, muss mit ihr diskutieren.“

https://www.turi2.de/aktuell/ard-und-zdf-wehren-sich-gegen-kritik-an-tv-duellen-lindner-will-mit-weidel-diskutieren/

Pragmatischer Vorschlag: Zwei Spitzenrunden mit fünf Kandidaten sowie zwei Moderatoren funktionieren nicht – weder als Informationssendung noch als Talkshow. Für substanzielle Einlassungen bleibt zu wenig Zeit, außerdem ist der Durcheinanderredefaktor hoch. Wollte man, kein ganz fernsehferner Gedanke, möglichst großen Krawall, müsste man ein Triell Merz, Weidel und Wagenknecht veranstalten. Geht auch irgendwie nicht (außer natürlich auf RTL). Also nimmt man den amtierenden Bundeskanzler und seinen eindeutig chancenreichsten Herausforderer für ein ernsthaftes, vielleicht sogar informatives Duell. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Grünen eine Koalition unter einem Bundeskanzler Habeck anführen, geht gegen null. Dennoch könnte man noch an ein weiteres Duell Merz mit oder gegen Habeck, aber ohne Scholz denken. Dies wäre auch interessant, weil der bayerische Teil der Union ja die Zusammenarbeit mit den Grünen ostentativ vor der Wahl ablehnt. Und jene Kanzlerkandidatinnen, die sich Kanzlerkandidatin nennen, aber wirklich keine Chance haben, Kanzlerin zu werden, könnte man, wie innovativ, ebenfalls zu einem Duell miteinander einladen.

https://www.sueddeutsche.de/medien/kanzlerduell-tv-duelle-streit-li.3168984