Barrierefreiheit als Mehrwert für alle: Fernsehrat Michael Jörg zur Barrierefreiheit beim ZDF.

„Insgesamt ist das ZDF schon breit aufgestellt, wenn man sieht, welche Möglichkeiten es im Bereich der Barrierefreiheit bietet“, konstatiert Fernsehrat Michael Jörg. Der Vertreter des Bereichs „Inklusive Gesellschaft“ erklärt aber auch, wo er noch eine Schwachstelle sieht. […]

Das ZDF ist gut aufgestellt, was die Untertitelung anbelangt, und der Sender baut sein Angebot für Audiodeskription immer weiter aus. Auch deutsche Gebärdensprache hat sich ganz gut entwickelt. Insgesamt ist das ZDF schon breit aufgestellt, wenn man sieht, welche Möglichkeiten es im Bereich der Barrierefreiheit bietet. Besonders stark ist es bei der Audiodeskription von Sportereignissen.

Eine Schwachstelle hat des ZDF noch bei Leichter Sprache. Da gibt es noch Entwicklungspotenzial. Beispielsweise könnte das ZDF Online-Erklärvideos in Leichter Sprache produzieren. Hier könnte sich der Sender ein bisschen mehr trauen. Außerdem wäre es wünschenswert, wenn das ZDF noch mehr mit Live-Gebärdensprache experimentieren würde. […]

Die Barrierefreiheit ist ganz klar ein Markenkern des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Mit den privaten Sendern brauchen wir uns nicht zu vergleichen, da läuft derzeit nicht viel. Wettbewerb gibt es also eher zwischen den öffentlich-rechtlichen Sendern ARD und ZDF und dem Deutschlandradio. Deutschlandradio ist in der Barrierefreiheit des Hörfunks sehr stark. In Sachen einfache Sprache ist die ARD schon viel besser aufgestellt als das ZDF.

https://www.zdf.de/unternehmen/organisation/gremien/fernsehrat/newsletter-176.html

Hinweis: Das Deutschlandradio hat schon vor Jahren die Bereitstellung von Sendungsmanuskripten stark reduziert. Damit wurde Barrierefreiheit abgebaut.

Jona Teichmann (11.10.2023): „Die Umschichtung der Finanzmittel darf nicht zulasten der Qualität gehen. Wir reduzieren deswegen mit Fingerspitzengefühl die Anzahl der Neuproduktionen fürs Radio. Außerdem bieten wir jetzt etwas weniger Service für das Radioprogramm an, indem wir beispielsweise weniger Sendungsmanuskripte ins Netz stellen. Den dadurch gesparten Aufwand nutzen wir, um digitale Audioangebote besser zu distributieren. Wir gehen davon aus, dass wir in den nächsten Jahren durch die Umschichtung vorhandener Mittel mehr digitale Angebote produzieren können, ohne dass die linearen Radiohörer, die immer noch die Mehrzahl unseres Publikums bilden, unzufrieden werden.“
https://www.medienpolitik.net/aktuelle-themen/die-kraefte-auf-die-digitale-audiowelt-konzentrieren-439

Ausbau von Barrierefreiheit auch im Streaming: ZDF-Fernsehrat Matthias Belafi

Auf den unterschiedlichen Ausspielwegen des ZDF sieht Matthias Belafi noch große Unterschiede bei der Barrierefreiheit. Insofern sei es wichtig, in allen Bereichen des ZDF, auch im Streaming, Barrierefreiheit weiter auszubauen. Das tue das ZDF mit seinem Entwicklungsplan „Access 2028“. Fernsehrat Matthias Belafi, der die Katholische Kirche Deutschland im Fernsehrat vertritt, sieht gesellschaftliche Teilhabe als zentrale Aufgabe für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk.

„Im Hinblick auf Barrierefreiheit steht das ZDF heute schon ganz gut da, aber es gibt auch noch viel Potential. Das Bessere ist der Feind des Guten. Insofern muss es gerade für einen öffentlich-rechtlichen Sender Ansporn sein, in diesem Bereich noch besser zu werden. Denn es geht hier um gesellschaftliche Teilhabe und damit um eine zentrale Aufgabe, zu der auch der Bereich der Medien einen wichtigen Beitrag leisten kann und soll.

Gerade auf den unterschiedlichen Ausspielwegen gibt es heute noch große Unterschiede bei der Barrierefreiheit. Insofern ist es wichtig, in allen Bereichen des ZDF, auch beim Streaming, die barrierefreien Angebote weiter auszubauen. Und genau das tut das ZDF mit dem Entwicklungsplan „Access 2028“.“

https://www.zdf.de/unternehmen/organisation/gremien/fernsehrat/newsletter-174.html

 Michael Jörg: Die Leiterin der ZDF-Abteilung Access, Nicola Foltys, hat mir eine Pilotversion gezeigt. Bereits bei den ersten Pilotfolgen konnte ich feststellen, dass sich die KI-generierte Audiodeskription im Laufe der Zeit verbessert hat. So wurden anfänglich Worte und Sätze noch falsch betont oder merkwürdig ausgesprochen, im Laufe des Pilotbetriebs verbesserte sich die Audiodeskription merklich. Inzwischen ist es so, dass meine Frau und ich oft Audiodeskription hören, ohne gleich erkennen zu können, ob KI mit im Spiel ist oder nicht.

Meiner Meinung nach muss KI für den Menschen da sein. Sie muss uns helfen, und sie muss etwas verbessern und dem Sender einen wirklichen Fortschritt bringen.

Wo es mit Künstlicher Intelligenz noch nicht so gut läuft, ist die Gebärdensprache, die derzeit auch mit KI-Avataren getestet wird. Die kommt noch nicht so gut bei den Nutzern an. Ein Grund ist, dass die deutsche Gebärdensprache wesentlich komplizierter und vielfältiger ist als Gebärdensprache in anderen Ländern. Nur als Beispiel: Die japanische Gebärdensprache ist bedeutend einfacher. Und in Japan kommen KI-Avatare in Gebärdensprache bereits sehr gut an. Aber da muss das ZDF eben noch weiter probieren und wahrscheinlich noch ein bisschen Schweiß einsetzen.

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Hinweis: In einer Nachrichtensendung von 15 Minuten werden ca. 2.000 bis 3.000 Wörter gesagt. Wenn die Fehlerrate bei 1 Promille liegt, also 99,9% richtig ist, sind das immer noch zwei bis drei Fehler je Sendung.