Eklatantes Versagen vieler Medien zu den Wahlen in Frankreich

Die zweite Runde der französischen Parlamentswahl offenbarte einmal mehr ein eklatantes Versagen vieler der oft nur noch kurzatmig berichtenden, zu tieferer gelassener Analyse kaum noch fähigen (nicht nur) deutschen Medien.

In Deutschland dominierte wie gewohnt hysterisierende Berichterstattung: „Wie Emmanuel Macron das Land den Rechtsradikalen ausliefert“ glaubte der Spiegel erklären zu müssen und titelte „Fällt Frankreich?: „Die wahrscheinlichsten Szenarien sind alle gleichermaßen beunruhigend.“

Die Rede ist von „irrationalen Entscheidungen“ und abgehalfterte Berater werden zitiert, die aus der Galerie hinterherrufen, Macron habe sich verkalkuliert. Auf Frankreich könne eine politische Krise zukommen, wie es sie seit 1968 nicht mehr gegeben habe. […]

Auch am Wahlabend überwog in Deutschland der Negativismus. Berichtet wird über Probleme, man sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht, sondern kapriziert sich um mögliche Schreckensszenarien. So erklärt die Tagesschau ihrem Publikum: „Warum es in Frankreich jetzt kompliziert wird“ – als wäre es vorher nicht kompliziert genug gewesen.

Betont werden die Schwierigkeiten, die sich jetzt eröffnen, wo der prognostizierte Weltuntergang nicht stattgefunden hat. Macron habe nur Glück gehabt, habe nicht richtig kalkuliert.

Die Reaktionen in Deutschland zeigen das hier ansässige schlechte Verständnis von Politik und politischer Theorie. Man versteht hierzulande den politischen Körper der französischen Republik nicht. […]

„Macron wollte es wissen und er hat es geschafft, dass die Rechte auf Platz drei liegt. … Das war ein Risiko, aber es hat sich gelohnt“ – zu den wenigen, die Macrons Strategie der Risikobereitschaft loben, gehört der ehemalige Kanzlerkandidat der Union, der CDU-Politiker Armin Laschet: Die Rechnung des Präsidenten sei aufgegangen: „Die große Mehrheit der Franzosen hat gezeigt, dass sie proeuropäisch und prodemokratisch ist.“

Viele hätten Präsident Macron kritisiert und für verrückt gehalten, dass er diese Neuwahlen ausgerufen hat. Im Nachhinein hat er recht behalten.

https://www.telepolis.de/features/Stichwahl-in-Frankreich-Macron-hat-hoch-gepokert-und-ein-bisschen-gewonnen-9793878.html