ZDF: Versteckte Meinungsäußerungen in Nachrichtentexten
Die Trennung von Fakten und Meinungen gilt im Journalismus immer noch als Tugend. Kein Lehrbuch kommt ohne entsprechenden Hinweis aus und unterscheidet die verschiedenen Darstellungsformen unter anderem anhand ihres Meinungsgehalts.
Wobei es selbstverständlich nur um die Meinungen der Autoren bzw. Berichterstatter geht. Denn von anderen vertretene Positionen und Bewertungen sind, unparteilich überbracht, als solche selbst wieder Nachrichten: Dass jemand sich so oder so geäußert hat, ist eine Tatsache. […]
Gar nicht so selten zu finden sind allerdings nicht-personalisierte Meinungsäußerungen. Weil sie niemandem zugeordnet sind, erscheinen sie dann wie Tatsachen.
Am vergangenen Sonntag moderierte Mitri Sirin den ersten Beitrag der heute-Nachrichten zu den französischen Parlamentswahlen mit folgenden Worten an: Innenpolitisch, aber auch auf europäischer Ebene, könnten die Wahlen dramatische Folgen haben. (ZDF heute, 30. Juni 2024 )
Ganz unabhängig vom Sprecher stellt sich die grundsätzliche Frage, wie Wahlen „dramatische Folgen“ haben können?
Wenn es einigermaßen demokratisch läuft, können die Folgen doch nur die von den Wählern gewollten sein. Dass diese den Anhängern unterlegener Parteien und Bündnisse nicht passen, liegt in der Natur der Sache und trifft daher immer zu.
