Erfundene Belästigungsvorwürfe gegen Gelbhaar – RBB gesteht Fehler ein
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Zum Verdacht, dass Gelbhaar Frauen sexuell belästigt haben soll, trug auch der RBB bei. Am Freitag musste der Sender aber zugeben, dass er offenbar einer Täuschung aufgesessen war. Eine Grünen-Bezirkspolitikerin habe die Vorwürfe der sexuellen Belästigung gegen Gelbhaar erfunden und dafür eine andere Identität vorgetäuscht. Der Sender löschte alle Beiträge dazu.
Eine „Anne K.“ hatte dem RBB zwar eine eidesstattliche Versicherung vorgelegt, doch der Sender hatte diese offenbar nicht ausreichend geprüft. Pikant: Das Justiziariat des RBB hatte alle Berichte zu den Vorwürfen abgesegnet.
Am Montag dann hatte der Tagesspiegel den Sender zu zweifelhaften Punkten in den Berichten befragt. Denn „Anne K.“ existiert laut amtlichem Melderegister in Berlin gar nicht. Zudem enthielt die eidesstattliche Versicherung kein Geburtsdatum. Vier Tage nach der bis dahin unbeantworteten Anfrage ging der Sender dann selbst an die Öffentlichkeit.
Der RBB geht inzwischen selbst davon aus, dass die Bezirkspolitikerin die eidesstattliche Versicherung gefälscht hatte. In Telefonaten hätte „Anne K.“ den angeblichen Übergriff von Gelbhaar geschildert, persönlich getroffen hatte die Redaktion die Frau nicht, verbreitete aber den Vorwurf, Gelbhaar habe sie zu einem Kuss gezwungen.
Zwei andere schwere Vorwürfe beruhten auf anonymen E-Mails, die dem RBB vorliegen und offenbar auch der Ombudsstelle. Auch diese E-Mails sollen von Kreße stammen. Laut RBB bestreitet sie aber, die Vorwürfe erfunden zu haben. Sie habe jedoch keine Belege für die Existenz von „Anne K.“ geliefert. (…)
Auf Tagesspiegel-Anfrage sagte RBB-Chefredakteur David Biesinger:
„Uns ist als RBB in der Recherche ein Fehler unterlaufen. Journalistische Standards sind nicht vollumfänglich eingehalten worden. Die hinter der eidesstattlichen Versicherung liegende Identität ist von der Redaktion nicht ausreichend überprüft worden.“ Zum Fehler beigetragen hätten aber betrügerische Absicht und kriminelle Energie, mit der unter großem Aufwand eine falsche Identität vorgespiegelt worden sei. Ein Sprecher sagte, der Fall sei nicht abgeschlossen. Der Ablauf werde nun analysiert, um „notwendige Ableitungen der Nichteinhaltung journalistischer Standards für die Zukunft daraus zu ziehen“.
Fake News beim RBB
Wochenlang berichtet der öffentlich-rechtliche RBB über Vorwürfe gegen den Berliner Grünenpolitiker Stefan Gelbhaar. Doch offenbar ließ sich der Sender für eine Intrige einspannen. Wie konnte das passieren? […]
Am Freitagabend, 19 Uhr, wurde der Skandal um den Grünen-Bundestagsabgeordneten Stefan Gelbhaar zum Skandal des RBB. Mit einer Veröffentlichung in eigener Sache teilte der ARD-Landessender mit: Eine Frau, die der RBB „Anne K.“ nannte und auf deren eidesstattliche Versicherung er sich maßgeblich bezog, als er seit Dezember über angebliche Belästigungsvorwürfe gegen Gelbhaar berichtete, existiere „mit hoher Wahrscheinlichkeit“ nicht. […]
Bei der zentralen Beschuldigung von „Anne K.“ aber wurde überhaupt nicht geprüft, ob es die Person, die sie erhob, wirklich gibt. Wie eine mit den Vorgängen vertraute Person der SZ sagte, lagen dem RBB insgesamt vier eidesstattliche Versicherungen mit unterschiedlich schweren Beschuldigungen vor, die Identitäten der anderen drei Informanten sollen demnach überprüft sein. […]
Die Fragen, die sich für den RBB jetzt stellen, betreffen vor allem die Sorgfalt der Recherche in der Verdachtsberichterstattung und am Ende wohl auch personelle Konsequenzen. Wie genau gelangte der RBB zu der eidesstattlichen Versicherung von „Anne K.“? Warum wurde es versäumt, die personellen Angaben dort – also die Identität von „Anne K.“ – zu überprüfen? Wie lief der Kontakt zu der angeblichen Informantin? Und warum fiel keinem auf, dass die Sache dubios ist? Fragen der journalistischen Qualitätssicherung.
https://www.sueddeutsche.de/medien/rbb-intrige-belaestigungsvorwuerfe-gelbhaar-li.3185532
RBB berichtet über mutmaßlich falsche eidesstattliche Erklärung
Mehrere Frauen haben gegenüber dem RBB Belästigungsvorwürfe gegen den Grünenpolitiker Stefan Gelbhaar erhoben. Nun nimmt der Sender zahlreiche Berichte aus dem Netz – an der Identität einer der Frauen gebe es Zweifel.
RBB zieht Berichte über Vorwürfe gegen Gelbhaar zurück
Die Bundesvorsitzenden der Grünen drohen mit einem Parteiausschlussverfahren, sollte sich der Verdacht einer parteiinternen Intrige gegen den Berliner Bundestagsabgeordneten Stefan Gelbhaar bestätigen. Die im Dezember gegen den Bundestagsabgeordneten Stefan Gelbhaar (Grüne) bekannt gewordenen Belästigungsvorwürfe waren womöglich frei erfunden. Weil inzwischen erhebliche Zweifel an entsprechenden Darstellungen bestehen, zog der Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) „sämtliche Beiträge, in denen es um konkrete Vorwürfe geht“, aus dem Netz zurück. Dies teilte der Sender am Freitagabend mit.
Demnach gebe es massive Bedenken im Zusammenhang mit der Identität einer mutmaßlich betroffenen Frau, die dem RBB eine eidesstattliche Versicherung zu ihren Darstellungen abgegeben hatte. „Mit hoher Wahrscheinlichkeit existiert diese Frau gar nicht“, hieß es vom RBB.
Wende im Fall Stefan Gelbhaar Grünen-Bezirkspolitikerin gibt sich offenbar als Frau aus, die nicht existiert
https://www.rbb24.de/politik/beitrag/2025/01/gelbhaar-vorwuerfe-informantin-strafanzeige-berlin-gruene-pankow.html
Gelbhaar hatte die Vorwürfe gegen ihn bereits bestritten und ging von einer „geplanten Aktion“ gegen seine Person aus, wie er auf seiner Internetseite schrieb.
Der Chefredakteur des öffentlich-rechtlichen Rundfunks Berlin-Brandenburg (RBB), David Biesinger, teilte auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit: „Uns ist als RBB in der Recherche ein Fehler unterlaufen. Journalistische Standards sind nicht vollumfänglich eingehalten worden.“ Der RBB ließ außerdem mitteilen: „Einige der Fragen, die nun im Raum stehen, stellen sich auch für den RBB selbst. Der Fall ist noch nicht abgeschlossen.“ Und weiter: „Derzeit analysiert der RBB den Ablauf detailliert und wird notwendige Ableitungen der Nichteinhaltung journalistischer Standards für die Zukunft daraus ziehen.“
Der RBB-Chefredakteur ergänzte zu den inzwischen aufgekommenen Zweifeln an der Identität einer Person, die hinter der eidesstattlichen Versicherung liegende Identität sei von der Redaktion nicht ausreichend überprüft worden. Details wurden nicht genannt.
Biesinger sprach auch von einer betrügerischen Absicht und einer kriminellen Energie, mit der dem RBB unter großem Aufwand eine falsche Identität vorgespielt worden sei. Laut RBB wurde gegen die Person Strafanzeige gestellt, die die falschen Erklärungen abgegeben haben soll.
"Recherchefehler"? Das ganze Ausmaß des @rbb24-Versagens in der Causa #Gelbhaar & @Die_Gruenen-Intrige zeigt sich exemplarisch an dieser Szene: Aussagen der anonymen "Zeugin" Anna K. ließ RBB extra für einen Beitrag nachspielen & nachsprechen.pic.twitter.com/KiYyniYsk6…
— Florian Warweg (@FWarweg) January 20, 2025
