EU-Kommission sägt an Grundpfeilern des Internets
Wenn es der EU-Kommission um besseren Schutz im Netz geht, sollte sie sich besser auf das konzentrieren, was Menschen direkt schadet. Sie könnte dafür sorgen, dass Tech-Konzerne ihre Plattformen zu besseren Orten machen, allem Widerstand der Lobbyisten und Rechtsabteilungen zum Trotz. Ansätze dafür gibt es im Kids Act, etwa ein Verbot von suchtfördernden Mechanismen für Minderjährige auf sozialen Medien und Videoplattformen.
An dieser Stelle frage ich mich aber: Warum sollten solche Vorschriften für sicheres Design nicht gleich für alle gelten, statt nur für Kinder? Einstellungen, die standardmäßig die Privatsphäre bestmöglich schützen. Datensammlung und Tracking verbieten. Manipulative Designs und Push-Nachrichten verbieten, die uns stundenlang an Apps fesseln. Schutz davor haben wir doch alle verdient. Mit solchen Regeln für alle statt nur für junge Menschen wäre nichts verloren, niemandem geschadet – außer den Profit-Interessen der Tech-Konzerne.
Stattdessen sägt die Kommission mit ihrem Vorschlag an einigen der wichtigsten Grundpfeilern im Netz: Am Recht auf Anonymität und am Recht auf freien Zugang zu Informationen. Diese Rechte sind kein Luxus. Sie sind die Voraussetzung dafür, dass sich Menschen im Netz ungehindert informieren und politisch laut werden können. Betroffene von Gewalt, queere Menschen, Whistleblower*innen, sie und noch mehr gesellschaftliche Gruppen sind besonders darauf angewiesen, sich im Netz auch unbeobachtet bewegen zu können. Mit den geplanten Alterskontrollen steht das auf der Kippe.
EU-Kommission will Netz mit Alterskontrollen zupflastern
Der vollständige Gesetzentwurf zum “EU Kids Act” gehe laut geleakten Dokumenten (PDF) deutlich über bisherige Eckpunkte hinaus und plane weitreichende Zugangshürden für große Teile des Internets. Neben einer Altersgrenze von 15 Jahren für Social-Media-Accounts sollen auch Videospiele, KI-Chatbots, Begleit-KIs und App-Stores verpflichtet werden, ihr Angebot nur noch in einer kindgerechten Version oder nach einer Altersprüfung zugänglich zu machen. Bürgerrechtsorganisationen und der Chaos Computer Club würden den Entwurf stark kritisieren. Die Pläne untergrüben die anonyme Netznutzung, würden eine unausgereifte Überwachungsinfrastruktur erfordern und die Grundrechte einschränken.
https://bildblog.de/154644/mit-alterskontrollen-zugepflastert-feelgood-rechtspopulist-krawall/
EU Kids Act: Kindersicherungen längst nicht nur für soziale Netzwerke
Der neue Kids Act regelt mehr als nur Mindestalterfragen: Von App- und PlayStore bis zu Onlinespielen und Porno-Plattformen sollen neue Regeln greifen.
Zum Vorschlag
https://cdn.netzpolitik.org/wp-upload/2026/09/2026-09-15_COM_EU-Kids-Act_COM-2026-681-3.pdf
