Inside Tagesschau“: Protokoll einer Desillusionierung

Der Journalist Alexander Teske hat sechs Jahre für ARD-aktuell gearbeitet. In der Redaktion entsteht auch die „Tagesschau“. In einem Insider-Bericht hat Teske jetzt veröffentlicht, warum die wichtigste deutsche Nachrichtensendung nach seiner Erfahrung ihren eigenen Standards nicht genügt. […]

Gleichzeitig wird beim Lesen auch deutlich, dass es sich bei „Inside Tagesschau“ keineswegs um ein plumpes Rachebuch handelt. Teske schreibt klar und schnörkellos, liefert eine sachliche Rekonstruktion zu vielen Beiträgen und plausible Erklärungen, warum die „Tagesschau“ so ist, wie sie ist.

Die vielleicht wichtigste Kritik kommt ziemlich am Anfang des Buches: „Ihrer Aufgabe, eine kritische Distanz zu den Herrschenden zu halten, wird die Tagesschau nicht gerecht. Denn sie wird von einem elitären Kreis verantwortet. Sie haben ähnliche politische Ansichten und kommen fast ausschließlich aus dem Westen.“

Mit „ähnliche politische Ansichten“ ist gemeint, dass die für die Auswahl maßgeblichen Chefs vom Dienst nach Beschreibung von Teske „eher links der Mitte“ stehen. […]

Wichtig ist dabei zu erwähnen, dass Teske ausdrücklich darauf hinweist, dass es keine Anweisungen etwa von der Regierung gäbe, bestimmte Themen unter den Tisch fallen zu lassen und andere groß zu fahren. […]

Andere Passagen sind aufschlussreich, betreffen freilich nicht nur die „Tagesschau“-Redaktion, sondern auch viele andere Medien: die Beschränktheit der Auswahl von Experten, die blinden Flecken der Auslandsberichterstattung, die zunehmende Boulevardisierung, die Priorisierung des Fußballs, die Unterwerfung gegenüber sozialen Medien. Dass die wichtigste und mit Beitragsgeldern finanzierte Nachrichtensendung da keinen Unterschied macht, scheint den Autoren Teske noch heute zu empören. (Paid)

https://www.welt.de/kultur/medien/plus255177442/Insider-Bericht-zur-Tagesschau-Das-Protokoll-einer-Desillusionierung.html

Hinweis: „Insgesamt positionierten sich die neun hier untersuchten öffentlich-rechtlichen Nachrichtenformate folglich relativ gleichmäßig in einem durch Außenpluralismus, aber auch eine leichte Linksschiefe gekennzeichneten Mediensystem. Sie fielen durch einen gegenüber den Vergleichsmedien weniger kritischen Umgang mit den aktuellen Regierungsparteien auf, gehörten aber ansonsten nicht zu den Medien, die sich am stärksten positionierten. Allerdings berichteten sie im Schnitt auch nicht unbedingt vielfältiger und ausgewogener als die Vergleichsmedien, obwohl die Ansprüche an den öffentlich-rechtlichen Rundfunk in dieser Hinsicht durchaus höher sind.“

https://www.polkom.ifp.uni-mainz.de/files/2024/01/pm_perspektivenvielfalt.pdf