„Kulturwandel“ oder Verflachung? Deutschlandfunk plant große Programmreform

„Kulturwandel“ oder Verflachung? Deutschlandfunk plant große Programmreform

Der Deutschlandfunk baut sein Programm radikal um: weniger Fachmagazine, mehr Podcasts im Radio und eine neue „Drive Time“ am späten Nachmittag. Mitarbeiter fürchten ein Mainstream-Programm und den Verlust von Expertise, die Programmdirektorin erhofft sich mehr Freiheiten für Projekte. […]

Unter den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gibt es erhebliche Zweifel und Widerstände. Die Senderleitung sagt, dass der Deutschlandfunk sich ändern muss, um seine Stärken auch in Zukunft ausspielen zu können. Viele Mitarbeiter sorgen sich, dass diese Stärken stattdessen durch die Änderungen geopfert werden könnten. […]

Die Aufsichtsgremien des Senders beschäftigen sich im Juni noch einmal mit den geplanten Änderungen: Am 17. Juni tagt der Programmausschuss, am nächsten Tag der übergeordnete Hörfunkrat. Deren Rückmeldungen sollen in den Umbauprozess einfließen.

In einer internen Präsentation vom Herbst 2025 steht die Frage „Warum machen wir die Reform?“, und die Antworten darauf klingen fast wie ein Motivations-Schlachtruf: „Weil wir es müssen!“, „Weil wir es wollen!“, „Weil wir es können!“ […]

Teichmann will von der „etwas zu kleinteiligen Struktur“ des Senders wegkommen, um so einen Spielraum zu schaffen für größere Recherchen, besondere Projekte und digitale Formate. Podcasts sollen in Zukunft schon aus wirtschaftlichen Gründen grundsätzlich auch im linearen Programm ausgestrahlt werden […]

Wenn der Deutschlandfunk die meisten seiner täglichen Fachmagazine abschafft oder themenübergreifend zusammenlegt, beraube er sich genau dessen, was ihn einzigartig macht, so die Sorge. In themenübergreifenden Sendungen setzen sich die wichtigsten Themen durch; das sind aber womöglich die, die alle anderen auch haben. […]

Die Fachmagazine werden nun überwiegend abgeschafft oder verschmolzen. In Zukunft sollen die Beiträge der Fachredaktionen verstärkt Platz in den allgemeinen Informationssendungen vor allem am Morgen, aber auch am Mittag und frühen Abend finden. Dort können sie ein größeres Publikum erreichen, weil die Hörerzahlen hier am größten sind. Sie müssen sich aber jeweils in einem internen Pitch um das beste Thema durchsetzen. […] Kritiker im Haus fürchten, dass man sich in einem „permanenten Abstimmungsprozess“ aufreibe: „Der Aufwand wird größer für eine kleinere Zahl an Inhalten.“ […]

„Diese Reform schwächt die Fachredaktionen nicht, sondern hat gerade das Ziel, sie zu stärken“, sagt Jona Teichmann. „Wir würden das, was uns auszeichnet, ganz sicher nicht ‚abschalten‘. Das wäre verrückt. Wir möchten unsere besten Inhalte, eigenrecherchierte Inhalte, in die besten Sendezeiten einbringen, damit möglichst viele Menschen sie hören.“

https://uebermedien.de/117386/kulturwandel-oder-verflachung-deutschlandfunk-plant-grosse-programmreform/

Der Sender streicht oder fusioniert die meisten seiner täglichen Fachmagazine. Die Redaktionen müssen ihre Themen künftig über interne Pitches in den Informationssendungen platzieren. Die „Informationen am Morgen“ beginnen bald eine Stunde später. Zudem startet am späten Nachmittag ein neues, 90-minütiges Format für Pendler. Podcasts sollen grundsätzlich auch im linearen Radioprogramm laufen, auch wenn sich die Ansprache des Publikums oft unterscheidet. Viele Angestellte und Freie fürchten den Verlust von Expertise und Aufträgen sowie ein seichteres Programm. Programmdirektorin Jona Teichmann verteidigt die Änderungen und kündigt an, auch weiterhin ein „Programm mit Ecken und Kanten“ machen zu wollen.

https://www.turi2.de/aktuell/deutschlandfunk-plant-radikalen-programmumbau/

Hinweis: Der Deutschlandfunk hat derzeit mehr eigenrecherchierte Inhalte, als sich in den „besten Sendezeiten“ unterbringen lassen. Bisher hat das Programm in einer großen thematischen Breite auch inhaltliche Tiefe geboten.