Problem Unabhängigkeit: Experte erklärt die gefährliche Nähe einiger Medien zur Politik
Während Medien zunehmend unter wirtschaftlichem Druck stehen, mehren sich die Vorwürfe politischer Einflussnahme. Medienexperte Jo Groebel ordnet wichtige Fälle ein. […]
Zwischen reiner Faktenberichterstattung, der Werteorientierung, dem wichtiger werdenden Markt und der direkten Kommunikation mit Konsumenten über soziale Medien wiesen die meisten deutschen Medien nach wie vor einen hohen Anspruch an die Qualität ihrer Produkte auf, erklärt der Experte. Reine Propagandamedien seien äußerst selten. Als Rezipient ginge Groebel davon aus, dass deutsche Redaktionen „ungeachtet einer Basiswerteorientierung nicht selektiv berichten oder Nachricht und Meinungen miteinander vermischen“.
In Deutschland sei diese Trennung nach wie vor deutlich fester verankert als beispielsweise in den USA […]
Jo Groebel stellt fest, dass viele Medienorgane heutzutage deutlich weniger eindeutig in einem parteipolitisch oder ideologisch zuordenbaren Spektrum zu verorten sind, als sie es früher waren […]
Tatsächlich sei es für viele Verlage üblich, eine separate Content-Marketing-Agentur zu führen, die von der „Brand“ der Zeitung, ihrer Marke, profitiere, erklärt Medienpsychologe Groebel. Auch die Zeit hat mit ihrem Studio ZX eine ähnliche Agentur oder Axel Springer mit seiner Tochter Axel Springer Corporate Solutions.
Bei der FAZ wirke die Marke „konservativ, seriös, gediegen“, sagt Groebel, was sich etwa für Wirtschaftspublikationen anbiete. Dass ein Kunde des Gesamtunternehmens, etwa ein Stifter oder Spender, direkten Einfluss auf die Redaktionsarbeit nehme, sei der „Sündenfall“, so Groebel, für den es bei der FAZ keine Belege gebe […]
Sehr viel problematischer sei es, wenn Medienunternehmen selbst direkt mit Steuergeldern gefördert würden. Das ist etwa bei der Deutschen Presse-Agentur der Fall, von der auch die Berliner Zeitung Informationen bezieht. Das Branchenmagazin Medium deckte im September auf, dass diese seit 2021 mehr als 2,1 Millionen Euro Fördergeld vom Staat für mehrere Projekte erhalten habe. Geschäftsführer Peter Kropsch bezeichnete die Kritik an der Tatsache in Medium als „negatives Framing“. […]
Auch beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk sei immer wieder diskutiert worden, ob dieser anstatt mit dem Rundfunkbeitrag mit Steuergeldern finanziert werden solle. Man habe sich aber dagegen entschieden, weil das ein „Einfallstor für eine direkte Abhängigkeit“ von einer Regierung sein könnte, so Groebel. Dies sei eine ausgesprochen „heikle Sache“. Allein die Frage, wie man die Gremien besetze, die solche Gelder ausschütte, sei höchst politisch. […]
Das einzige Gegenmittel in all diesen Fällen möglicher Einflussnahme politischer Akteure auf Medienhäuser sei: „Transparenz, Transparenz, Transparenz. Man kann diese Dinge machen, muss sie gut begründen, muss aber vor allem die Strukturen transparent machen.“ Nur so könnten Medien weiterhin „Glaubwürdigkeitsinstitutionen“ sein, bei denen Bürger nicht in jedem kleinsten Detail nachprüfen müssen, ob die Berichterstattung vertrauenswürdig ist.
Zum Thema Unabhängigkeit und Staatsferne:
„… Es gibt eine Gegenposition – der MDR habe staatsfern zu sein. Eine weitere Wortmeldung: Der Antrag sei nicht ausgereift, er hat ‚Qualitätsmängel‘ und sei fehlerhaft und kommt zu abenteuerlichen Schlussfolgerungen. Er bittet darum, den Antrag auf Änderung der Tagesordnung abzulehnen. Uihhh, ich dachte, das wird heute eine ruhige Sitzung. Im Moment werden also Formalien diskutiert. Nun gibt es einen Befürworter für die Änderung der Tagesordnung. ‚Staatsferne‘ sei kein Argument, dass sich der Rundfunkrat nicht öffentlich mit einer eigenen Meinung äußern dürfe …“: Am gestrigen Montag tagte der MDR-Rundfunkrat wieder, und flurfunk-dresden.de war wieder livetickerig dabei.
https://www.mdr.de/altpapier/das-altpapier-3956.html
Zum Flurfunk
https://www.flurfunk-dresden.de/2024/12/09/bericht-von-der-224-sitzung-des-mdr-rundfunkrat/
