Wenn Medien den Mächtigen folgen
Wie sehr beeinflusst die politische Elite in Großbritannien und den USA die Perspektive, aus der Journalisten Auslandsberichterstattung betreiben? Zu sehr, meinen Jesse Owen Hearns-Branaman und Tabe Bergman, Herausgeber des Buches „Journalism and Foreign Policy: How the US and UK Media Cover Official Enemies“. […]
Die akut dringliche Frage, die der Band so aufwirft: Funktionieren westliche Medien auch im digitalen Zeitalter noch als verlängerter Arm staatlicher Außenpolitik? […]
Eine Frage bleibt jedoch offen: Warum spielen Journalisten in diesen Systemen mit? Die Herausgeber verweisen auf den Mechanismus der beruflichen Sozialisation. Journalisten lernen früh in ihrer Karriere, dass offizielle Quellen als seriös gelten und dass Objektivität bedeute, beide Seiten zu Wort kommen zu lassen – wobei beide Seiten in der Regel zwei Elitenpositionen meine. Wer diese Routinen nicht befolge, habe schlechte Karrierechancen. Das Ergebnis sei ein System, das sich selbst reproduziert: nicht durch Anweisung von oben, sondern durch erlernte Berufslogik. […]
Die Stärke des Bandes liegt in seiner komparativen Anlage. Dadurch wird sichtbar, dass der zentrale Befund kein Einzelfall ist. Die Tendenz zur Eliteorientierung ist kein Merkmal der US-Berichterstattung über Russland allein. Sie zeigt sich in der britischen Berichterstattung über China, in der amerikanischen über Iran, in der westlichen über Afghanistan. Das einheitlich amerikanisch und britische Bild ist das eigentliche überzeugende Argument des Bandes.
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Anmerkung: Im Beitrag wird ein Problem beschrieben, welches das Misstrauen vieler Rezipienten auf den Punkt bringt. Kein normaler Mensch braucht neben den Regierungssprechern der Länder auch noch Lautsprecher der aktuell Regierenden in den etablierten Medien. Genau aus diesen Sachverhalten resultiert der durchaus angebrachte Medienverdruss vieler Bürger, insbesondere dann, wenn sich die pflichtfinanzierten öffentlich-rechtlichen Medien in dieser Rolle gefallen.
