Wie es zur Katastrophe von Ceuta kam
Patrick Gensing argumentiert in einem Beitrag für “Belltower News”, dass die Katastrophe von Ceuta mit mindestens 88 Toten das tödliche Potenzial von Desinformation offenbart habe. Gezielte Falschmeldungen über ein spanisches Gerichtsurteil hätten die falsche Hoffnung geweckt, die Grenze sei offen. Dies habe zu lebensgefährlichen Handlungsanweisungen in Sozialen Netzwerken geführt. Gensing betont, dass Desinformation kein reines Wissens- oder Medienkompetenzproblem sei, sondern seine größte Sprengkraft dort entfalte, wo Armut herrscht.
https://bildblog.de/154225/katastrophe-von-ceuta-social-media-verbot-journalismus-mit-loesung/
Ein Gerichtsurteil als wahrer Kern
Der konkrete Auslöser waren mutmaßlich irreführende Berichte über ein Urteil des spanischen Obersten Gerichtshofs. Das Gericht entschied, dass Menschen, die Ceuta über das Meer erreichen, nicht ohne Weiteres unmittelbar zurückgewiesen werden dürfen, sondern Anspruch auf ein geordnetes Verfahren haben. Aus dieser juristisch eng begrenzten Entscheidung wurde in sozialen Netzwerken innerhalb kürzester Zeit eine völlig andere Botschaft. Die Grenze sei offen. Oder auch: „Wer Ceuta erreicht, kann bleiben“. Dies sei eine quasi einmalige Gelegenheit. Aus einer differenzierten Rechtsentscheidung wurde schnell das Versprechen eines offenen Weges nach Europa. Bis heute ist ungeklärt, wer diese Falschinformationen als Erstes verbreitete. Genau darin zeigt sich ein typisches Muster von Desinformationen. Sie bestehen selten ausschließlich aus erfundenen Behauptungen. Fast immer basieren sie auf einem realen Sachverhalt, verändern ihn so weit, dass daraus eine andere Botschaft entsteht. Ein wahrer Kern wird mit Übertreibungen, Auslassungen oder falschen Schlussfolgerungen verbunden.
https://www.belltower.news/desinformationen-toeten-wie-es-zur-katastrophe-von-ceuta-kam-166613/
Küppersbusch TV: Die Bilder aus Ceuta scheinen eine einfache Geschichte zu erzählen: Menschen überwinden eine Grenze, Europa gerät unter Druck und die deutsche Politik fordert noch härtere Kontrollen. Doch diese Geschichte ist nicht neu und sie handelt nicht nur von Migration.
Bereits 1975 setzte das marokkanische Königshaus beim sogenannten Grünen Marsch gezielt große Menschenmengen ein, um politische Tatsachen in der Westsahara zu schaffen. 2021 öffnete Marokko im Konflikt mit Spanien erneut faktisch die Grenze nach Ceuta. Trotzdem folgen Politiker, Medien und große Teile der öffentlichen Debatte wieder dem gleichen verkürzten Narrativ: Illegale Migration, Kontrollverlust, Abschiebung.
Warum hätte schon eine kurze Recherche gereicht, um die aktuelle Debatte völlig anders zu führen?
