Wie schwierig es ist, effektiv Kritik am ÖRR zu üben…
„5000 Programmbeschwerden sind im vergangenen Jahr bei den öffentlich-rechtlichen Anstalten eingegangen, so viele wie lange nicht. Lediglich einer wurde stattgegeben. [….]
All das zusammengenommen skizziert den eigentlichen Skandal. Nicht die einzelnen und offensichtlichen Fehler der Sender sind das Problem. Sondern die strukturelle Weigerung, sich einer nachvollziehbaren, unabhängigen und für den Bürger überprüfbaren Kontrolle zu unterwerfen. Rundfunkräte, in denen Parteien, Verbände und gesellschaftliche Großorganisationen sitzen – also genau jene Kräfte, über die berichtet wird –, sind keine wirksame Aufsicht. Die Strukturen sind zu kompliziert, die Verfahren intransparent und die Konsequenzen lächerlich.
Der ÖRR muss sich auf ein einheitliches, auch für Laien verständliches und nutzbares System einigen, das vor allem nicht von den Sendern selbst kontrolliert wird. Nur so könnte das Vertrauen zurückgewonnen werden.“
Anmerkung: Schon erstaunlich, dass auch die Presse inzwischen registriert hat, dass die Sender bei der Befassung mit Programmbeschwerden unterschiedlichen Kriterien folgen, sowie Fristen und inhaltliche Dokumentation der Publikumskritik divers handhaben. Wahrscheinlich war unser Hinweis hilfreich, den man natürlich innerhalb der Recherche vergaß zu erwähnen. Eventuell mal Leute zu fragen, die schon mit dem Thema befasst waren, als die Kritiker von heute noch stramm im Sattel des ö-r Systems saßen, ist wohl zuviel verlangt. Stattdessen macht man kostenlos Werbung für dubiose Strukturen, die ernsthafter Medien-Kritik erheblichen Schaden zufügen.
Was in der Analyse immer vergessen wird, sind die„Nur-Linear“-Nutzer: Laut den Langzeitdaten der Statista Consumer Insights nutzen in Deutschland rund 75 % der Menschen noch klassisches, lineares Fernsehen. [1] Der harte Kern der Mediennutzer, die den öffentlich-rechtlichen Rundfunk ausschließlich über klassisch-analoge bzw. rein lineare Wege ohne jede Internetanbindung konsumieren, ist vor allem in der Generation 70+ zu finden und fällt im Audiobereich (UKW) mit gut einem Viertel der Hörerschaft deutlich größer aus als beim Fernsehen. [1, 2] Wie wird diese Zielgruppe über die Möglichkeiten der Programmkritik informiert? Wie erfährt diese Zielgruppe vom Umgang mit Fehlern und Desinformation durch die Sender, wenn Korrekturrubriken und die Dokumentationen der Gremien ausschließlich versteckt in den Internetangeboten zu finden sind?
Funfact: Untersuchungen zur Medienforschung der agma zeigen, dass die Wählerstruktur der CDU stark mit klassischen Informationsmedien korreliert: Die CDU (Union) wird hauptsächlich von älteren Menschen ab 60 Jahren, insbesondere in der Altersgruppe der über 70-Jährigen, gewählt. Bei der Bundestagswahl erzielte die Partei bei den Wählern ab 70 Jahren mit über 33 % ihr mit Abstand stärkstes Ergebnis, während sie bei den 18- bis 24-Jährigen lediglich rund 13 % der Stimmen erhielt. Angesichts des demografischen Wandels in Deutschland besitzen die älteren Wählergruppen ein enormes politisches Gewicht: Die Generation 60plus stellte bereits bei den letzten Wahlen über 40 % aller Wahlberechtigten. Es gilt die Faustformel: Je älter die Wählergruppe, desto höher ist der Stimmenanteil für die CDU. [1, 2, 3]
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