Wo bleibt das bürgerliche Pendant zu „Monitor“ und Co.?
Manche Bürgerliche fühlen sich dem ÖRR noch immer verbunden. Wenn die Rundfunkanstalten diesem Teil ihrer Zwangsfinanziers aber weiter mit Polit-Pädagogik begegnen, droht die Radikalisierung der ÖRR-Kritik. Es wäre Sache der unionsgeführten Bundesländer, das zu verhindern. […]
Noch viel ehrenwerter ist das Konzept des WDR und natürlich des ÖRR insgesamt: Eine Rundfunkanstalt, die Überparteilichkeit hochhält, Ausgewogenheit bis zur Selbstverleugnung betreibt und dem Ideal der Objektivität nachjagt. Damit hat (besser: hätte) der ÖRR allen anderen Medien etwas voraus. Privatmedien verstehen sich mehr oder weniger als Tendenzbetriebe: Bei aller Schattierung haben sie eine grobe politische Ausrichtung. Einige sind sogar offen Partei. Der ÖRR könnte darüber schweben – über all den Medien mit beschränkter Ausgewogenheit. […]
Warum? Warum nötigt die Politik den ÖRR nicht endlich dazu, seine grandiose Theorie in auch nur halb so grandiose Praxis umzusetzen? Anstatt den WDR aufzurütteln, rühmte zum Beispiel NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst seinen Heimatsender WDR jüngst bei der Einführung der Intendantin Katrin Vernau allzu glatt und allzu ambitionslos als „Schutzschild der Demokratie“ – und seine Arbeit als „unabhängigen, kritischen“ Journalismus, „der präsent ist, der die Menschen erreicht und dem vertraut wird“. […]
Schleunigst sollten die ÖRR-Gremien zum Beispiel gegen plump polit-pädagogische Krimis vorgehen, in denen allzu regelmäßig Migranten die Opfer und Alteingesessene die rassistischen Täter sind. Oder sie könnten auf das journalistische Format schlechthin eines überparteilichen Journalismus setzen: auf das Pro und Contra. Warum wird das nicht täglich verwendet beim ÖRR?
