Die AfD und die Grenzen der Konfrontation
Beide Fälle – das Hayali-Weidel-Interview und Siegmund bei Lanz – zeigen, wenn man sie nüchtern betrachtet, Schwächen einer vorwiegend konfrontativen Interviewstrategie. Bei Lanz wurde ein präzise recherchiertes Faktengerüst durch eine emotionale Zuspitzung untergraben, die dem Gast die Fluchttür zur Sachlichkeit öffnete. Bei Hayali führte eine – im Kern legitime – Nennung der Verfassungsschutzeinstufung in Kombination mit wertenden Formulierungen dazu, dass Weidel das Gespräch von der Sach- auf die Metaebene ziehen konnte.
In beiden Fällen konnten die AfD-Politiker die Dynamik kommunikativ teilweise für sich nutzen. Und zwar, weil das Format selbst an eine Grenze stößt: Es setzt auf die moralische Autorität des Moderators zu einem Zeitpunkt, an dem diese Autorität von einem relevanten Teil des Publikums nicht mehr anerkannt wird. Und es setzt auf Konfrontation zu einem Zeitpunkt, an dem der geübte AfD-Politiker Konfrontation als Ressource nutzt.
Die Konsequenz ist nicht, weniger kritisch zu sein. Die Konsequenz ist, kritischer zu sein – aber anders. Weniger etikettierend, mehr dokumentierend. Weniger emotional, mehr forensisch. Weniger im Modus der Überführung, mehr im Modus der geduldigen Empirie. Nicht das BBC-Modell des kalten Nachfassens ist die einzige Alternative, aber es zeigt, dass Härte ohne Wärme möglich ist – und in vielen Fällen wirksamer. Der alte bundesrepublikanische Journalismus hatte viele Beispiele dafür, bevor er in die rechten und linken Schützengräben gedrängt wurde.
Der öffentlich-rechtliche Rundfunk hat einen Auftrag: Er soll die Öffentlichkeit einer plural verfassten Demokratie moderieren, nicht spalten. Ob er dieser Aufgabe im Umgang mit der AfD gewachsen ist, wird sich weniger an der Lautstärke der Interviews entscheiden als an ihrer Präzision.
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