MDR – Meinungscheck statt Faktencheck 

Die Factchecker des MDR zeigen, wie aus Faktenchecks Desinformation werden kann

Der MDR möchte Desinformation mit professionellen Faktenchecks begegnen. Eine Analyse seiner jüngsten Prüfungen zeigt jedoch erhebliche handwerkliche Schwächen – und wirft die Frage auf, warum die Fehler auffällig oft zulasten von AfD und BSW gehen.

Wesentliche Standards der Faktenprüfung wurden schlicht missachtet, so etwa die Regel, dass politische oder weltanschauliche Vorstellungen bei einer Faktenprüfung nichts zu suchen haben. Auch gegen die Regel, dass Tatsachen immer konkret anhand von Zahlen, Daten und Fakten aus dokumentierten Quellen geprüft werden müssen, haben die MDR-Checker grob verstoßen. So hat MDR-Obercheckerin Sabine Falk-Bartz in einer Schalte nach dem Duell von Sven Schulze und Ulrich Siegmund die vorgetragene Bewertung verifiziert, dass die AfD die Bildungspolitik auf den Kopf stellen wolle. Sie verwies für diese Verifikation auf programmatische Leitlinien der AfD für den Geschichtsunterricht, mit denen „mehr Bismarck“ gefordert werde. Ob die Forderung nach „mehr Bismarck“ im Geschichtsunterricht dazu beiträgt, dass eine Bildungspolitik auf den Kopf gestellt werde, ist eine freie Bewertung. Sie kann weder verifiziert noch falsifiziert werden.

In dieser Schalte wurde ebenfalls die Aussage, Deutschland habe die zweithöchsten Strompreise der Welt, in einen Kontext gesetzt. Die Kontextualisierung diente dabei eher der Vernebelung. Deutschland rangiere damit in der Gruppe der Staaten wie Bermuda oder Italien, trug die Checkerin vor. Eine Faktenprüfung hätte erfordert, Einblick in Rankings wie Energyfactbook oder Energiemarie zu nehmen. Dort steht Deutschland im Ranking der Strompreise tatsächlich an zweiter Stelle. Damit hätte man diese Aussage klar verifizieren können. Das geschah aber nicht in diesem Factcheck.

Dann hat Sabine Falk-Bartz in derselben Schalte die Aussage von Ulrich Siegmund geprüft: „Hunderte von Millionen von Euro werden an Migranten verschenkt.“ Sie bezeichnete diese Aussage als „schwierig“. Begründung: „Weil sie nämlich auf rechtlich verankerten Sozialleistungen basiert.“ Auch hier hätten die MDR-Prüfer die Aussage anhand von Zahlen aus dokumentierten Quellen prüfen müssen. So sind im Jahr 2025 laut Bundestagsdrucksache 21/6289 in diesem Bereich 24,8 Milliarden Euro aufgewandt worden. Nach einer solchen Prüfung wäre die Aussage als korrekt deklariert worden.

In der etwas später erfolgten Schalte mit MDR Live aktuell nach der Wahlarena führt Sabine Falk-Bartz dann die hohe Kunst der Ablenkung vor. Sie checkt die Aussage von Ulrich Siegmund, 50 Prozent der Bürgergeldbezieher seien nicht Deutsche. Ihre Antwort wird recht weitschweifig. 52 Prozent der Bürgergeldempfänger seien nämlich Deutsche, 13 Prozent Ukrainer, der Rest bestehe aus Menschen aus anderen Herkunftsländern, führt sie aus, um sodann direkt anzufügen, dass sich aber die Integration von Ausländern in den deutschen Arbeitsmarkt sehr positiv gestaltet habe. Diese Art des Verstoßes gegen die Regeln der Faktenprüfung wiederholt sich. Statt eine detaillierte Prüfung der Zahlen lege artis vorzunehmen, wird hier mit einer unvollständigen Zahlenbasis gearbeitet. „13 Prozent Ukrainer“ werden noch benannt. Der Rest bleibt im Dunkeln. Dann wird schnell auf eine völlig andere Frage eines verwandten Themas ausgewichen, um diese unvollständige Zahlenbasis ein wenig zu vernebeln, nämlich auf das Thema der Integration in den Arbeitsmarkt. Eine Faktenprüfung nach allen Regeln der Kunst hätte hier das Ergebnis erbracht: Ulrich Siegmund sagt, 50 Prozent der Bürgergeldempfänger seien nicht Deutsche. Laut Destatis sind es 48 Prozent. Immerhin wird der Komplex in der später auf mdr.de veröffentlichten Faktenbasis dann mit genaueren Zahlen nachgetragen. Bleibt zu fragen, ob das den öffentlichkeitswirksamen vernebelnden Auftritt in einer Schalte wettmachen kann.

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