Sparpläne bei Öffentlich-Rechtlichen: WDR will sich halbieren

Der WDR will die Hälfte seiner Programmangebote bis zum Jahr 2030 streichen. 76 davon schon bis Ende 2027. Durch den Umbau sollen 133 Stellen wegfallen.

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WDR: Die Hälfte kommt weg

Der WDR will als gutes Vorbild für das Sparen in der ARD vorangehen und in den nächsten Jahren 300 seiner 600 Programme streichen. Nun ist bekannt, was als Erstes verschwindet. […]

Der Sender wolle bis 2030 die Hälfte seiner Programmangebote streichen. An der Zahl: 300 von 600. Erstens, 600 Programmangebote? Der WDR ist zwar der größte, aber nur einer von neun ARD-Landessendern und von noch mehr öffentlich-rechtlichen Sendern. Wenn der WDR schon 600 hat, muss es deutschlandweit Abertausende öffentlich-rechtliche Programme geben. […]

Verschwinden werden die Doku-Reihe „Menschen hautnah“ und Gesundheitssendungen rund um den Arzt „Doc Esser“. Die Radiosendung „Satire am Sonntag“ auf WDR 4, Podcasts wie „Einfach Fußball“, der Beziehungs-Podcast „Lisas Paarschitt“ oder der zum Magazin „Monitor“ gehörende Podcast „studio M“. Bekannt war schon, dass „Frau TV“ verschwindet. Für Frauen kommt im WDR ein in der Zielgruppe spitzeres Instagram-Format ins Angebot. „Mädelsabende“, bislang von Funk, zieht ins Programm für Erwachsene. Auf Instagram fällt im WDR dafür „tickr“ weg, ein junges Nachrichtenangebot, das nicht erfolgreich genug wurde. […]

„Mit dem angepassten Programmportfolio will der WDR unter anderem Doppelungen im ARD-Angebot vermeiden, mit Dokus die ARD Mediathek stärken und sich im Linearen auf die Primetime konzentrieren“, begründet der Sender in einer Mitteilung am Freitagmittag. Bei den eingestellten Sendungen, Newslettern und Social-Media-Formaten handle es sich um „lineare und auch digitale Angebote, die ihre Zielgruppe nicht gut genug erreichen oder die nicht zu den strategischen Schwerpunkten des WDR gehören“. Man schaffe damit „Raum für Neues“, so Intendantin Vernau […]

Wenn man weiß, dass auch in den quotenunabhängig finanzierten öffentlich-rechtlichen Sendern sehr großer Erfolgsdruck auf neuen Ideen und Sendungen liegt. Die Medienforschung bescheinigt gerne, es müsse dringend mehr für diejenigen getan werden, die noch wenig Berührung mit dem Programm haben. Die zum Beispiel schnelle Unterhaltung oder Eskapismus wünschen. Die Öffentlich-Rechtlichen waren schon immer auch für diese Bedürfnisse da, doch der Wesenskern der Sender ist ein anderer. Nämlich hochwertige Information anzubieten, Unterhaltung und Kultur, wie sie sich sonst kaum finanzieren ließe. […]

Der WDR hat rund 4100 Mitarbeiter, bis 2030 sollen 133 Stellen nach Renteneintritten nicht wieder besetzt werden.

https://www.sueddeutsche.de/medien/wdr-sparkonzept-sendungen-streichen-li.3551950

In seinem Fernsehprogramm will sich der WDR mit den eigenen Ressourcen auf eine „Kernsendezeit“ von 17 Uhr bis 22.15 Uhr konzentrieren. Deshalb wird das Magazin „Hier und Heute“ im WDR Fernsehen um eine Stunde verkürzt und erst um 17 Uhr starten.

Im ersten Schritt fallen nach Angaben des WDR vor allem Web-Auftritte den Kürzungen zum Opfer, darunter digitale Angebote wie „Studio M“, „Lisas Paarschnitt“ und „Doc Esser“. Auch die Instagram-Kanäle von „WDR Jeck“ sowie der „Fußball-Podcast mit Sven Pistor“ würden beendet. Alle WDR-Redaktionen zögen sich von der Plattform X zurück, darunter auch „Hart aber fair“, „Maischberger“ und „Quarks“.

Gleichzeitig sollen neue Angebote geschaffen werden, teilte der WDR mit. Gestartet sind bereits die Reihe „Deutschland, ich küss dein Herz – mit Tahsim Durgun“ und das Talk-Format „Draußenpolitik“ mit Louis Klamroth. Weitere Formate seien in Planung. Der Sender will Anfang 2027 über weitere Maßnahmen informieren.

https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien-und-film/medienpolitik/wdr-stellt-76-angebote-ein-accg-201265969.html

Bereits im April hatte Intendantin Katrin Vernau angekündigt, dass der WDR sein Programm-Portfolio bis zum Jahr 2030 von 600 auf 300 Angebote verringern wolle. Nach Angaben des Senders sollen im selben Zeitraum 80 bis 100 neue Formate entstehen, daher müssen rund 400 Programmangebote aus dem Bestand gestrichen werden. Der Abbau der 76 Angebote ist der erste Schritt zu einem umfassenden Programmumbau. Programmangebote sind nicht einzelne Sendungen oder Beiträge, sondern Programmreihen und Formate sowie Web-Auftritte von Redaktionen in sozialen Netzwerken oder auf Onlineplattformen.

Vernau sagte: „Die Mediennutzung verändert sich rasant, unsere Finanzierung ist ungewiss, unsere Kosten steigen. Gleichzeitig benötigen wir mehr Mittel für digitale Angebote – während derzeit noch gut drei Viertel unserer Ressourcen im klassischen linearen Programm gebunden sind. Deshalb müssen wir jetzt handeln und Tempo machen.“

Ab 2027 will der WDR jede dritte Stelle nach einer Verrentung nicht wiederbesetzen. Insgesamt sollen bis zum Jahr 2030 133 Stellen wegfallen. In den beiden Programmdirektionen werden 150 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Ruhestand gehen, sodass dort in den kommenden Jahren 50 Stellen abgebaut werden. Geplant sind auch Kürzungen beim Honorarumfang für freie Mitarbeiter. Beim WDR arbeiten rund 4.000 fest angestellte und 2.500 arbeitnehmerähnlich frei Beschäftigte.

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Derzeit seien noch gut drei Viertel der Ressourcen „im klassischen linearen Programm gebunden“. Bis 2030 will der WDR rund 20 % der Stellen aus klassischen Produktionsbereichen in technologieorientierte Aufgabenfelder verlagern. Studio- und Büroflächen sollen reduziert werden.

https://www.turi2.de/aktuell/wdr-halbiert-sein-programmportfolio-und-streicht-stellen/