RBB – „Es geht um die Integrität des Senders“

Der Rundfunk Berlin-Brandenburg kämpft mit der Aufarbeitung seiner Versäumnisse im Fall Gelbhaar – und hat ein massives Budgetproblem: 250 Stellen werden gestrichen. Intendantin Ulrike Demmer überrascht mit deutlichen Worten.

https://www.sueddeutsche.de/medien/rbb-stefan-gelbhaar-stellenabbau-li.3192508

RBB benennt Gutachter, die Gelbhaar-Affäre aufklären sollen

Der RBB beauftragt den früheren NDR-Journalisten Stephan Wels und die Beratungsfirma Deloitte, die Fehler in der Affäre Gelbhaar aufzuklären. Bei einer Prüfung im NDR hatte Deloitte den Sender entlastet. […]

Stephan Wels „als erfahrener Investigativ-Journalist“ und die Experten von Deloitte bündelten „ihre Expertise“ und untersuchten „den gesamten Vorgang von der ersten Veröffentlichung bis zum Umgang des RBB mit den gemachten Fehlern“, schreibt der Sender. Es gehe darum, „neben individuellen Fehlern mögliche Schwächen in den organisatorischen und redaktionellen Abläufen offenzulegen“. Die Experten berichteten dazu direkt an das Direktorium des RBB. […]

Die Beratungsfirma Deloitte hatte im Auftrag des Norddeutschen Rundfunks Ende 2022 Vorwürfe gegen die landespolitische Berichterstattung des Funkhauses Schleswig-Holstein untersucht. Dabei ging es vor allem um die Frage, ob Führungskräfte unziemlichen Einfluss auf die Berichterstattung nahmen. Mitarbeiter des NDR in Kiel beklagten seinerzeit einen „politischen Filter“.

https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/rbb-benennt-deloitte-und-stephan-wels-als-gutachter-in-affaere-gelbhaar-110269830.html

Zeugin, die es gar nicht gab

Journalistisch blank ist der RBB nach wie vor in der Affäre Stefan Gelbhaar. […]

Wie es zu dem mehrstufigen Versagen kam, konnten die Intendantin und der Chefredakteur David Biesinger nicht erklären. Sind die Rechercheurinnen reingelegt worden? Haben sie selbst getäuscht? Ist dem Justiziar die gespielte Szene mit einer Zeugin, die es nicht gab, nicht aufgefallen? Oder wurde er auch getäuscht? Das soll ein externes Gremium prüfen, 60.000 Euro kostet die Untersuchung (das Geld ist wenigstens noch da). Der Rundfunkrat muss in jedem Fall an der Sache dranbleiben. Eines wusste der Chefredakteur Biesinger immerhin: Die Chefredaktion hatte den Rufmordbeitrag nicht abgenommen. Die Verantwortungskultur kommt uns irgendwie bekannt vor.

https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/rbb-ist-finanziell-kurz-vor-der-pleite-und-journalistisch-blank-110267499.html

Zu den Rundfunkräten gehört auch Antje Kapek, eine in Berlin wohlbekannte Politikerin der Grünen. Eine spannende Doppelfunktion in dieser Angelegenheit. „Wir befinden uns mitten im Wahlkampf“, sagte Kapek in ihrer Stellungnahme. Der Fall Gelbhaar „wird uns einige Prozentpunkte kosten“. Abgesehen davon werde es Jahre dauern, bis die Grünen in Berlin die Vorgänge verarbeitet hätten. „Den Schaden haben mehrere Personen und zwar existenziell“, erklärte die Grünenpolitikerin. „Eine Entschuldigung wird daran nichts mehr ändern.“

https://www.sueddeutsche.de/medien/rbb-stefan-gelbhaar-stellenabbau-li.3192508

Intendantin Ulrike Demmer: „Journalistische Qualität ist unser höchstes Gut, wir können uns keine Zweifel an unserer journalistischen Integrität erlauben. Wir sorgen mit der Untersuchung dafür, dass unser wichtigstes Produkt – seriöse Berichterstattung – nicht weiter beschädigt wird. Wir werden auch die notwendigen Konsequenzen ziehen, die sich aus der Einschätzung der Fachleute ergeben.“

Chefredakteur David Biesinger: „Die unabhängige, externe Untersuchung wird uns helfen, mögliche Mängel in der internen Kommunikation und Rollenverteilung zu identifizieren und zu beheben. Dieser externe Blick ist wesentlicher Bestandteil einer transparenten und produktiven Fehlerkultur.“

https://www.presseportal.de/pm/51580/5961816 

Analyse:

(…) Der rbb, der ÖRR, hat ein massives Glaubwürdigkeitsproblem. Die pol. Einseitigkeit in den Medien ist ein großer Spaltpilz für Gesellschaft und Demokratie. Die Studie „Journalimus & Demokratie“ der TU Dortmund aus 2024 zeigt es überdeutlich: 41% der Journalisten neigen den Grünen zu – SPD 16%, CDU 8%, Linke 6%, FDP 3%, BSW 1%, andere Partei 2% und keine Partei 23%. Damit erzielen die linken Parteien 64% und die pol. Mitte nur 11%. Bei der „Sonntagsfrage“ sind es 37% zu 34% (Politbarometer 24.1.25). Diese extreme Schieflage produziert dann im ÖRR ein völlig falsches Bild von Politik und Gesellschaft und führt am Ende zu Spaltung und Radikalisierung in der Bevölkerung. (…)

https://www.neue-ard-forum.de/post/das-gr%C3%BCne-netzwerk-im-rbb