Medien und Nahost: Die Sprache der Gewalt

Fabian Goldmann analysiert in seiner Untersuchung von über 11.000 Beiträgen deutscher Leitmedien, wie sprachliche Verzerrungen die Wahrnehmung des Nahostkonflikts beeinflussen können, indem Gewalt gegen Israel systematisch dramatisiert und entkontextualisiert würde. Israelische Angriffe würden durch Begriffe wie “Gegenschlag” oder “Reaktion” häufig als legitime Antwort auf vorangegangene Ereignisse gerahmt. Eine solche Einordnung bleibe bei palästinensischer Gewalt meist aus.

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Wichtigste kurzgefasst:

  • Diese Auswertung umfasst 11.125 Beiträge mit Nahost-Bezug, die im Zeitraum vom 7. Oktober 2023 bis 19. Januar 2025 in Bild, Spiegel, Tagesschau, taz und Zeit erschienen sind.
  • Untersucht wurde, mit welchen Begriffen Medien Gewalttaten durch Israel, Hamas und andere Akteure der Region bezeichnen
  • Israelische Angriffe wurden am häufigen als Reaktion auf vorangegangene Ereignisse dargestellt. 849-mal wurden Israels Angriffe als „Gegenangriffe“ oder „Gegenschläge“ bezeichnet. In 549 Fällen (69,9%) waren damit israelische Angriffe gemeint.
  • Angriffe der Hamas wurden kaum sprachlich in den Kontext früherer Ereignisse gesetzt (2,2%, 19 Fälle). In allen Fällen handelte es sich um Zitate. Zu eigen gemacht haben sich die Redaktionen die Begriffe „Gegenangriff“ oder „Gegenschlag“ für Hamas-Angriffe in keinem Fall.
  • Gewalt gegen Israel wurde oft dramatisiert. 1188-mal wurden Gewalttaten als „Großangriff“ bezeichnet. In 955 Fällen (80,4%) waren damit Angriffe durch die Hamas gemeint. Israelische Gewalttaten wurden nur in 50 Fällen (4,2%) als „Großangriff“ bezeichnet.
  • Der Begriff „Massaker“ tauchte 3408-mal auf. Er wurde fast ausschließlich für Gewalttaten der Hamas verwendet (94,3 Prozent, 3215 Fälle). Bei allen Fällen, in denen israelische Angriffe so bezeichnet wurden, (193 Fälle 5,7 Prozent), handelte es sich um Zitate.
  • Die Ergebnisse legen nah: Ausschlaggebend für die Bezeichnung von Gewalttaten ist weniger die Tat selbst sowie deren Ausmaß und Folgen, sondern vor allem, wer die Tat begeht und wen sie trifft. Während Redaktionen dazu neigen, die Gewalt Israels zu kontextualisieren, wird Gewalt gegen Israel sprachlich entkontextualisiert und dramatisiert.

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