Wie der MDR mal eine Legende schuf – und umbrachte
Der „Polizeiruf“ aus Halle schaffte etwas ganz Seltenes. Großes, menschliches Fernsehen der ostdeutschen Gegenwart. Mit der dritten melancholischen Moritat „Der Wanderer zieht von dannen“ macht der MDR sein Revier an der Saale dicht. Ein entsetzlicher Fehler. […]
Eine Geschichte, die Meyer und Stuber sich allerdings weniger ausgedacht als aufgesaugt haben aus der ostdeutschen Gegenwart. Aus den Verlorenheiten und Verborgenheiten und Verdrängtheiten. Allein schon deswegen müsste der MDR um das Hallenser „Polizeiruf“-Revier ein Reservat bauen. In der ganzen Sonntagabendkrimilandschaft gibt es ohnehin zu wenige originär dem Osten abgelauschte Erzählungen, die es vermögen, als genau jener gesellschaftliche Spiegel unterschiedlicher Regionen zu fungieren, als der diese Landschaft zumindest im Westen mal geplant war. […]
Trotzdem verweigert der MDR seinem kreativen Dreamteam die Fortsetzung der melancholischen Moritaten aus einer heillosen Welt. Die seien sowieso nur als Trilogie gedacht gewesen, hieß es. Was Stuber, Meyer, Kurth und Schneider bis zur Pressemeldung zumindest in dieser Ausschließlichkeit nicht gewusst haben wollen.
So muss man sich mit diesen drei wundersamen Heimatfilmen bescheiden. […]
Aber es wird eine entsetzliche Lücke bleiben. Man sollte Geld sammeln. Viel Geld. Oder einen Streamer überzeugen.
