MDR-Krimi-Pause: Deshalb ist sie so problematisch
Der MDR setzt die Produktion von „Tatort“ und „Polizeiruf 110“ für drei Jahre aus. Dies sorgt für Kritik aus Filmbranche und Politik. Worum dreht sich die Debatte?
Als der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) im Mai angekündigt hat, die Produktion neuer Folgen von „Polizeiruf 110“ und „Tatort“ für drei Jahre auszusetzen, hat das für Diskussionen weit über die Krimiwelt hinaus gesorgt. Für viele in der Branche geht es dabei um mehr als die Fernsehformate – es geht um Arbeitsplätze, ostdeutsche Perspektiven und die Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. […]
Die Entscheidung des MDR stößt in der Filmbranche auf erhebliche Bedenken. Besonders kritisch sieht die Produktionsallianz die Auswirkungen auf die Filmwirtschaft in Mitteldeutschland. Geschäftsführerin Michelle Müntefering verweist auf Strukturen, die über Jahre rund um die Produktionen entstanden seien. „Das ist auch der Grund, warum man ein solches Format nicht einfach aussetzen kann. Wenn man von Aussetzen spricht, heißt das, dass man eine gesamte Infrastruktur abbaut“, sagt sie dpa. Betroffen seien nicht nur Schauspielerinnen und Schauspieler oder Produktionsfirmen, sondern alle Gewerke – vom Transport über Catering bis zu den Dienstleistern. […]
Neben den wirtschaftlichen Folgen geht es in der Debatte auch um die Frage, welche Rolle ostdeutsche Geschichten künftig im öffentlich-rechtlichen Rundfunk spielen. „Ostdeutsche Krimiformate sind essenziell im deutschen Hauptabendprogramm, weil hier ostdeutsche Lebenswirklichkeit erzählt wird: Wendebiografien, Strukturwandel, Abwanderung, das Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne in ländlichen Regionen“, meint Michelsen. „Der Osten ist schon minimiert. Mit dieser Entscheidung würden wir ihn noch mehr minimieren.“
Hinweis: Der Anteil des MDR an den Beitragseinnahmen sinkt – er lag 2026 bei ca. 10,25 %. Der Fernsehvertragsschlüssel, nach dem der MDR u.a. die Degeto, die SportA und die Tageschau mit finanziert werden, liegt für den MDR seit Jahren bei 10,6%. Die anderen Anstalten sind bisher nicht bereit, diesen Vertragsschlüssel neu zu verhandeln. – Eine einfache Lösung: die degeto beteiligt sich mit mindestens 50% an der Finanzierung der MDR-Krimis. Bei Radio Bremen zahlt sie sogar 90%.
