Angeblicher Geheimplan gegen Deutschland – Der Wannsee-Scoop, der keiner ist

Der eigentliche Skandal an den momentanen #Geheimtreffen ist weder das Zusammenkommen von einigen mehr oder weniger bedeutsamen Politikern der #AfD, aus der #Werteunion und Personen aus den Reihen der Identitären. Stattdessen sollte uns der Umstand Gedanken machen, dass eine mittlerweile derart homogenisierte Medienlandschaft auf eine einzelne #Quelle vertraut, die bei ein wenig sachverständlichem Hinterfragen eines jeden grundskeptischen und distanzierten #Journalisten bitter hätte aufstoßen müssen.

#Correctiv, das sich selbst als Recherchezentrum des Investigativen bezeichnet, ist in der Vergangenheit wiederholt durch das Präsentieren vermeintlicher #Skandale und Affären bekannt geworden, über deren Substanz am Ende nicht selten vor den Gerichten gestritten wurde – und letztlich die Redaktion nicht selten das juristische Nachsehen hatte. Es bereitet mir größtes Missfallen, Enttäuschung und Unverständnis, dass meine Berufsgruppe mittlerweile derart naiv, verblendet und reaktionistisch auf jede #Schlagzeile hereinfällt, die man ihr als Stöckchen hinhält. Da scheinen die Medienschaffenden entweder die in der Ausbildung vermittelten Publizistischen Grundsätze arglos über Bord geworfen zu haben – oder man hat die eigentlich selbstverständliche #Distanz aus Gründen der #Karriere einfach an den Nagel gehängt.

Die Aussicht, mit einer neuen Eilmeldung ins Rampenlicht treten zu können, sich beim eigenen Chef für Linientreue die dicksten Lorbeeren einzuheimsen und beim auf Einheitsbrei getrimmten #Publikum Beifall zu ernten, scheint sehr viel überzeugender und reizvoller zu sein als das Bekenntnis zu einem ehrlichen #Rückgrat des beständigen und notwendigen Zweifels gegenüber allem, was allzu offensichtlich scheint. Prinzipiell kann heute jeder alles behaupten – und falls es sodann in das #Weltbild von manch ÖRR-Redakteuren oder greengewashten Zeitungsmachern passt, darf man eigentlich sicher davon ausgehen, sogar ohne jegliche Überprüfung der #Plausibilität und Herkunft der Angaben in die Hauptnachrichten oder auf das Titelblatt zu gelangen.

Die #Presse hat vergessen, dass sie nicht Transporteur von die Öffentlichkeit am ehesten manipulierenden Hintergründen ist – sondern als auf den Zahn fühlender Rechercheur unter eigenen Anstrengungen zu Belegbarem gelangen soll, das nach eingehender Reflexion und ohne zeitlichen Druck den Zusehern und Lesern als #Berichterstattung zur Befähigung einer selbstständigen #Meinungsbildung dienen soll. Dass nicht wenige Kollegen mittlerweile ein massives Vertrauensproblem und dem Vorwurf der #Unglaubwürdigkeit ausgesetzt sind, kann nicht verwundern – muss aber diejenigen ernsthaft schmerzen und möglicherweise auch animieren, die aus Gründen von Geradlinigkeit auf #Aufmerksamkeit verzichten, sich dafür aber morgens noch guten Gewissens im Spiegel ins Gesicht sehen können. Denn wenn manches Medium nicht von seiner Rolle als reflexartiger Multiplikator von Halbwahrheiten loslässt, wird man sich zunehmend auf diejenigen #Rechtschaffenden verlassen müssen – und können, die ohne eine Presseförderung auskommen oder sich nicht über #Rundfunkgebühren von Politikern und ihren Entscheidungen abhängig machen.

https://www.cicero.de/innenpolitik/correctiv-recherchen-uber-den-wannsee-scoop