ARD-Filmintendantin Karola Wille über Dokus:“Ganz neue Räume“25.11.2021
25.11.2021
Die MDR-Intendantin Karola Wille sieht neue Chancen für Dokumentarfilmer nach der großen Programmreform der ARD – auch durch eine neu aufgestellte Mediathek.
Als Filmintendantin der ARD ist sie zuständig für den Dialog mit Produzenten-Verbänden und den Kreativen der Film- und Fernsehbranche. Sie ist aber auch gefragt, wenn zum Beispiel die Produzenten mit der ARD über Vergütungsregeln für die digitale Welt – sprich für Mediatheken – verhandeln. Die Programmwerkstatt war für die Beteiligten ein erster wichtiger Termin seit Verkündigung einer großen Programmreform für das Erste durch ARD-Programmdirektorin Christine Strobl zwei Wochen zuvor. Auch die Mediathek soll neu aufgestellt werden, die Grundidee: Mehr Nutzer sollen über die Mediathek zum öffentlich-rechtlichen Rundfunk finden, mehr Formate sollen also so gebaut sein, dass sie in der Abrufwelt gut funktionieren. Strobls Botschaft klang so, als müssten auch Filmemacher ihre Produkte da durchaus anpassen. …
Die angekündigte Programmreform solle das Dokumentarische stärken – und zwar sowohl in der Mediathek als auch im Ersten Deutschen Fernsehen. ….
Eine wichtige Rolle für die Stärkung solcher Doku-Formate nimmt der Montagabend im Ersten ein, der zum „Informationsabend“ umstrukturiert werden soll. Der Primetime-Sendeplatz um 20.15 Uhr soll ein „Schaufenster für die besten dokumentarischen Produktionen“ werden, erläutert Wille. Was das genau bedeutet für die Kreativen, wenn sie mit der Reform-ARD ins Geschäft kommen wollen? Wille nennt als Stichworte hochwertige Produktionen, Vielfalt an Perspektiven, saubere Recherche. …
Dagmar Biller, Produzentin und Geschäftsführerin von „Tangram Film“, sieht in diesen Freiheiten „eine gewaltige Chance“, die sie nutzen will: „Wir Produzentinnen und Produzenten sind jetzt gefordert, die Programmreform mit Leben zu füllen, inhaltlich und formal auch mal neue Wege zu gehen.“ Die Handschrift der Autoren würde fortan eine viel größere Rolle spielen, ergänzt Biller. Und auch Susanne Binninger, Produzentin und Vorsitzende der AG DOK, erkennt das neue mediale Potenzial: „Die Mediatheken könnten Labor und Plattform für echte Innovationen sein.“ Sie bezeichnet den Wandel als ein positives Zeichen. …
Produzierende können aus einem strengen Korsett der bisher üblichen Vorgaben ausbrechen. Allerdings, und das betonen alle befragten Produzenten, könnte man diese Chance nur nutzen, wenn die dafür notwendigen Budgets gestellt werden.
https://www.sueddeutsche.de/medien/wille-mdr-dokumentarfilm-ard-programmreform-1.5470975
