ARD-„Glossar“ zum Nahen Osten: Die Kunst der Auslassung
Dass die „ARD“ eine Sprachregelung für die Berichterstattung zu Palästina getroffen hat, wurde bereits bekannt. Es lohnt sich aber, genauer zu betrachten, mit welchen Tricks die Leitung der Sendeanstalt ihr Personal „auf Linie“ bringt.
Wie schafft man es, dass quer durch einen Senderverbund überall der gleiche Ton gesungen wird? Nicht ohne Vorgaben. Die Nachdenkseiten veröffentlichten ein internes Papier aus der ARD, das sich „Glossar“ nennt, als ginge es um reine Begriffserläuterungen. Zur erwähnten „ARD-Begriffsdatenbank“ heißt es, „kein Eintrag ist bindend oder stellt eine Vorschrift dar.“ Das ist natürlich ein Euphemismus; um das zu erkennen, muss man sich nur vorstellen, jemand, der bei einem ARD-Sender angestellt ist, würde im Zusammenhang etwa mit der libanesischen Hisbollah von „Befreiungskämpfern“ reden. Den Job hätte er danach vielleicht gerade noch für 24 Stunden.
Für die aktuelle Lage werden Floskeln vorgeschlagen, die verhüllen. So wird eine E-Mail zitiert, in der es heißt:
„Bitte passt auch auf wie wir das Wort ‚Angriff‘ genau verwenden: In dieser Situation sind es ‚Gegenangriffe von Israel auf Gaza‘. Es ist verkürzt zu sagen oder schreiben ‚Angriffe auf Israel und Gaza‘.“
Selbstverständlich ist es ein inhaltlicher Trick, so zu tun, als hätte mit dem Überfall der Hamas am 7. Oktober etwas völlig Neues angefangen. Das findet sich in diesem Papier sogar ganz explizit:
„Mit der mutmaßlichen harten Reaktion der israelischen Armee wird sich in den kommenden Tagen der Fokus und damit auch unsere Berichterstattung auf den Gazastreifen und das Leid der dortigen Bevölkerung verschieben. Wir sollten dabei aber nicht ausblenden, dass die Hamas den aktuellen Konflikt begonnen hat.“
Und hier sieht man gleich, was in der gesamten Darstellung der entscheidende Kniff bleiben soll – das Weglassen entscheidender Informationen. (….)
Die Parteinahme, die das Glossar vornimmt, folgt der Linie der Bundesregierung, und hält dazu auch keinerlei Distanz. Dabei sind nicht einmal notwendigerweise die verwendeten Zitate schlecht, die einen Teil der Vorgeschichte aufschließen. Aber diese Zitate in der Form zur Grundlage aktueller Berichterstattung zu machen, ist fragwürdig.
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