ARD will gespartes Geld anderweitig einsetzen

ARD-Reformpläne: Mehr Synergien in den dritten ARD-Programmen sollen Mittel für digitale Produkte frei machen

Bei ihrer Sitzung in Köln haben die Intendantinnen und Intendanten der ARD weitere Maßnahmen zur Reform des Senderverbunds beschlossen.

Durch gemeinsamen Programmstrecken und Formaten in ihren dritten Fernsehprogrammen sowie im Hörfunk will die ARD ab dem kommenden Jahr Ressourcen freimachen, die dann für die Entwicklung und den Ausbau digitaler Angebote v.a. für die jüngere Zielgruppe sowie zur Stärkung de regionalen Profils von ARD Mediathek und ARD Audiothek genutzt werden sollen. […]

Demnach sollen die dritten Programme, die nach ARD-Angaben täglich deutschlandweit mehr als 22 Mio. Menschen erreichen, „unter Wahrung der regionalen Vielfalt“, wie es mit einer Pressemitteilung heißt, in Programmbereichen, in denen Regionalität eine weniger wichtige Rolle spielt, stärker zusammenarbeiten.

Dazu soll ein Pool gemeinsam produzierter Formate wie etwa in den Bereichen Reise und Kulinarik entwickelt und bestehende Kooperationen bei Verbraucher- und Gesundheitssendungen sowie bei Dokumentationen intensiviert werden. Die dabei entstehenden Formate könnten dann von den dritten Programmen „flexibel und passend zu ihrem eigenen Schema eingesetzt werden“.

Durch diese Maßnahme, so waren sich die ARD-Intendantinnen und -Intendanten einig, könne die Zahl der Neu- und hauseigenen Produktionen „spürbar“ reduziert und „Mittel ins Digitale“ umgeschichtet werden.

https://www.blickpunktfilm.de/tv/ard-reformplaene-mehr-synergien-in-den-dritten-ard-programmen-sollen-mittel-fuer-digitale-produkte-frei-machen-ccce85e8fb146f2514d8a1ef93f689c8

Konflikte vorprogrammiert

Reformen: ARD will gespartes Geld anderweitig einsetzen […] Die Intendantinnen und Intendanten der ARD haben auf ihrer jüngsten Sitzung in Köln weitere Reformen beschlossen, einige Details zu bekannten Vorhaben verraten und darüber hinaus angekündigt, dass man durch Reformen eingespartes Geld an anderer Stelle ausgeben wird. Letzteres will die Medienpolitik in Teilen aber nicht. Dort gibt es die ganz konkrete Erwartungshaltung, dass Reformvorhaben beziffert werden und sich das dann auch in der künftigen Höhe des Rundfunkbeitrags niederschlägt. Etliche Länder wollen, dass der Beitrag nicht steigt und fordern insbesondere die ARD-Anstalten zu Einsparungen auf. […]

Und auch im Hörfunk sollen durch gemeinsame Programmstrecken Ressourcen freigemacht werden, aber auch diese will man nutzen, um künftig etwa die ARD-Audiothek zu stärken. Konkret sollen ab Ende April 2024 die Info-Wellen des ARD-Hörfunks verstärkt zusammenarbeiten, der Senderverbund spricht von einer „neuen Ära“. Mehr Effizienz will man unter anderem durch gemeinsame Programmanteile erreichen. Künftig gibt es ab 20 Uhr beispielsweise ein gemeinsames Abendprogramm der Infowellen mit wechselnden thematischen Schwerpunkten. Dabei werden die Sendungen zum größten Teil vom NDR produziert, an wechselnden Abenden aber auch vom RBB oder dem BR, der zudem am Samstag ein aktuelles Gemeinschaftsprogramm bereitstellt. Die verschiedenen ARD-Anstalten können sich zu bestimmten Zeiten aus diesem übergreifenden Programm für regionale Sendungen oder eigene Formate aus- und wieder einklinken. Die schon vor Jahren eingeführte ARD-Infonacht kommt weiterhin vom NDR. […]

Bei den Kulturwellen soll es zwischen 20 und 24 Uhr ebenfalls mehr Kooperationen und gemeinsame Programmstrecken geben, das führte in der Vergangenheit bereits zu viel Kritik von den Macherinnen und Machern, aber auch generell von Kulturschaffenden. Ab dem zweiten Quartal 2024 wird es außerdem einen wöchentlichen gemeinsamen Opernabend geben, drei Monate später zusätzlich zwei gemeinsame Konzertabende. Darüber hinaus soll es nach ARD-Angaben auch „enge Kooperationen“ zwischen den Kulturwellen an zwei weiteren Abenden geben.

Und auch bei den Pop-Wellen stehen Veränderungen ins Haus: Die Intendantinnen und Intendanten haben vereinbart, dass SWR3 in Baden-Baden von Montag bis Freitag eine gemeinsame Abendstrecke von 21 bis 24 Uhr produziert. Sechs Pop-Wellen der ARD haben bereits angekündigt, dieses Abendprogramm zu übernehmen.

Auch die ARD-Popnacht kommt weiterhin von SWR3. Aktuell arbeitet man an der konkreten Umsetzung, Start der umfassenden Kooperation ist voraussichtlich der Januar 2025. Hörspiele welcher Art auch immer sollen künftig vor allem digital über die Audiothek verbreitet werden.

https://www.dwdl.de/nachrichten/95821/reformen_ard_will_gespartes_geld_anderweitig_einsetzen/

Umschichten ins Digitale fürs Regionale: Die ARD-Intendant:innen haben bei ihrer Sitzung in Köln weitere konkrete Reformschritte beschlossen. Kernpunkt sind Umschichtungen zugunsten eines regionalen Programms in der Media- und Audiothek, ermöglicht durch Kooperationen im linearen Bereich. Der Fokus liegt auf Qualität, regionaler Vielfalt im Programm und Wirtschaftlichkeit in der Produktion. […]

Im Exklusiv-Interview mit MEEDIA äußert sich ARD-Programmdirektorin Christine Strobl dazu, wie folgt: „Das Thema Regionalität ist für mich ein Herzensthema. Unsere Zuschauerinnen und Zuschauer profitieren von unserer einzigartigen Stärke, die wir hier aufgrund unserer föderalen Struktur haben und die uns auch von internationalen Streaming-Anbietern unterscheidet.“ Ihre Argumente leuchten ein: „Die Mediathek eröffnet hier ganz neue Möglichkeiten, weil wir regionalen Content viel passgenauer und vielfältiger anbieten können – auch personalisiert, sodass die Userinnen und User das für sie in ihrer Region Relevante leichter finden können. So können wir wahrhaftige Nähe zu den Menschen herstellen, die Themen aufgreifen und setzen, die die Menschen vor Ort in ihren Regionen unmittelbar betreffen.“ […]

In Programmbereichen, in denen Regionalität eine weniger wichtige Rolle spielt, wird künftig deutlich stärker zusammengearbeitet, ohne die Profile der Dritten zu schwächen. Daher gibt es kein zeitlich starres Mantelprogramm, sondern Pools gemeinsam produzierter Formate, die von den einzelnen Dritten flexibel und passend zu ihrem eigenen Schema eingesetzt werden können. […]

Darüber hinaus testen mehrere Sender im kommenden Jahr eine gemeinsame Nachmittagsstrecke sowie eine begrenzte Zahl gemeinsamer Talk-Shows. Erste programmliche Veränderungen werden bereits im kommenden Jahr im Programm sichtbar. Die weiteren folgen 2025. Die Mittel, die durch die Kooperationen und gemeinsamen Sendungen in den Dritten freigesetzt werden, werden eingesetzt, um etwa attraktive digitale und regionale Streaming-Formate für die ARD Mediathek für ein jüngeres Publikum zu produzieren.
https://www.meedia.de/medien/intendanten-sitzung-in-koeln-ard-reform-umschichten-ins-digitale-fuers-regionale-eca3f22bdcb45c8d80a5d2fe39ca7a24

ARD-Reform auf Kurs: Digital, regional und mehr gemeinsam

Die Intendantinnen und Intendanten der ARD haben bei ihrer Sitzung in Köln weitere konkrete Reformschritte beschlossen, die Qualität und regionale Vielfalt im Programm sichern und gleichzeitig mehr Wirtschaftlichkeit in der Produktion ermöglichen. Im Hörfunk der ARD und in den linearen TV-Programmen der ARD Medienhäuser, den sogenannten „Dritten Programmen“, werden durch gemeinsame Programmstrecken und Formate ab 2024 Ressourcen freigemacht. Diese Mittel werden für die Entwicklung und den Ausbau von digital nutzbaren Angeboten für vor allem jüngere Zielgruppen und zur Stärkung des regionalen Profils von ARD Mediathek und ARD Audiothek benötigt. Die Beschlüsse wurden vorbehaltlich einer ggf. notwendigen Zustimmung der Gremien der einzelnen Landesrundfunkanstalten gefasst.

https://www.presseportal.de/pm/29876/5661844

Kai Gniffke betonte am Donnerstag vor Journalistinnen und Journalisten, dass man aufgrund des Reformprozesses 250 Millionen Euro weniger Finanzbedarf bei der KEF angemeldet habe – allem Anschein nach wird das aber dennoch zu einer Erhöhung des Rundfunkbeitrags führen. Etliche Politikerinnen und Politiker haben bereits erklärt, damit nicht einverstanden zu sein – und sie forderten weitere Einsparungen. Und trotz der Frage, ob die Medienpolitik damit mal wieder wissentlich einen Verfassungsbruch begeht, lässt sich feststellen: Die ARD will sich aktuell nicht weiter in Richtung der Länder bewegen. SWR-Programmdirektor Clemens Bratzler fasste es am Donnerstag beim Pressegespräch am treffendsten zusammen und erklärte in Bezug auf die aktuellen Vorhaben: „Es ist kein Sparprozess, sondern ein Change-Prozess.“

https://www.dwdl.de/nachrichten/95827/ard_vertagt_entscheidung_ueber_spartensenderaus_auf_2024/