Das Dokufernsehen kultet ab

Das Dokufernsehen kultet ab

Dass beim MDR und den anderen ARD-Anstalten ein teils recht umfangreicher Reform- und Strategieprozess begonnen hat, hat etwas damit zu tun, dass Geld zwar da ist, aber nicht unbegrenzt. Und dass man mit dem vorhandenen Geld auch Leute erreichen will und muss, die bisher vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk nicht ausreichend erreicht wurden. Zu nennen wären hier zum Beispiel: die berühmten jungen Leute.

Einfach ist es nicht, sie anzusprechen, und Cornelius Pollmer hat in der „Süddeutschen Zeitung“ vom Samstag hübsch spitz formuliert, was hier und da in diesem Prozess qualitativ schiefgeht

https://www.mdr.de/altpapier/das-altpapier-3288.html

Die umfangreichen Bemühungen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, quasi über Nacht all jene jungen Zielgruppen zu erreichen, für die er sich noch bis vorgestern null Komma nichts interessiert hat, nehmen gerade im dokumentarischen Fernsehen oft erstaunliche Formen an. Da wird angebiedert und abgekultet, da gibt es gelegentlich Versuche, mit immer schnelleren Schnitten zu camouflieren, dass es an dem fehlt, was der Schnitt ja eigentlich ordnen und stärken soll: Inhalt. […]

In dieser Aufzählung noch nicht mal inbegriffen sind die zuweilen komplett ins Lächerliche kippenden Presenter-Dokus, bei denen Zuschauer themenunabhängig Reporterinnen und Reportern minutenlang zugucken müssen, wie sie E-Mails schreiben, nachdem sie im On gesagt haben, dass sie jetzt eine E-Mail schreiben. Wiederum nach dem E-Mail-Schreiben berichten dieselben Reporter dann, was das mit ihnen gemacht hat. Das im Sinne von: eine E-Mail schreiben.

https://www.sueddeutsche.de/medien

Einige der neueren Marotten des Dokufernsehens, das es auf diese Art hinkriegt, einen inhaltlich nur mehrere dichte Minuten tragenden Beitrag zu einem sagenhaften Halbstünder auszubauen, hat Pollmer damit zusammengefasst.