Debatte in Sachsen: Alle links und grün im Journalismus?
Beim Live-Podcast „Debatte in Sachsen“ war auch die konservative ARD-Moderatorin Julia Ruhs zu Gast. In der Dresdner Frauenkirche ging es um die angebliche links-grüne Meinungsmacht bei den Medien. Ist die Kritik an den Journalisten berechtigt?
Dresden. Es ist ihr anzumerken, dass sie nicht mehr gern über ihn spricht, den von vielen als solchen wahrgenommenen Skandal um ihre Person. „Ich bin bei dem Thema mittlerweile ein bisschen empfindlich“, sagt Julia Ruhs. „Ich finde nicht, dass wir in der Sendung etwas falsch gemacht haben.“ Dennoch sei ein Bauernopfer gesucht worden, und in dem Fall sei sie das gewesen.
Die Rede ist von einer Ausgabe des vom NDR und BR produzierten Reportage-Magazins „Klar“, das einen explizit konservativen Blick auf das wirft, „was Deutschland bewegt“, so der Untertitel des Formats. Kritiker werfen der „Klar“-Moderatorin Ruhs vor, in der Folge insbesondere in Bezug auf das Thema illegale Migration rassistische Narrative bedient und mit rechtspopulistischer Tendenz berichtet zu haben.
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„Jede Sendung im öffentlich-rechtlichen Rundfunk hat einen politischen Bias“, sagt Ruhs. Wenn man ihrem Magazin das vorwerfen würde, sei das also nichts Besonderes. „Es macht mich ein bisschen aggressiv, wenn so etwas auf der linken Seite okay ist, auf unserer aber nicht.“
Eine These, die Julia Ruhs in ihrem Buch mit dem Titel „Links-grüne Meinungsmacht: Die Spaltung unseres Landes“ vertritt. Demnach seien politisch links eingestellte Journalistinnen und Journalisten mit tendenziöser Berichterstattung mitverantwortlich für Gräben in der Gesellschaft. Im Zentrum der Kritik steht dabei oft der öffentlich-rechtliche Rundfunk, dem BR-Journalistin Ruhs selbst angehört. Erschienen ist ihr Buch bereits vor der „Klar“-Debatte.
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Dass das politische Meinungsbild von Journalisten tatsächlich nach links verschoben sei, lasse sich aus medienwissenschaftlicher Perspektive sogar beobachten, sagt Lutz Hagen. „Das ist in fast allen westlichen Demokratien so“, bestätigt der Direktor des Instituts für Kommunikationswissenschaft an der Technischen Universität Dresden.
Ob sich diese Tendenzen dann auch in den Programmen wiederfinden, sei aber eine andere Frage. Im Fall der öffentlich-rechtlichen Tagesschau gebe es etwa keinerlei wissenschaftliche Belege dafür, dass diese politisch linker sei als andere Medien.
