„Der öffentlich-rechtliche Rundfunk braucht umfassende Reformen“
„Der öffentlich-rechtliche Rundfunk braucht umfassende Reformen“
Unter den acht Expertinnen und Experten, die nun in Berlin ihre Empfehlungen vorlegten, war auch Annika Sehl, Journalistik-Professorin an der KU. […]
Wir Acht kamen dabei aus unterschiedlichen Bereichen – von der Rechtswissenschaft über das Medienmanagement, die Publizistik, digitale Angebote, dem Programm bis hin zur Kommunikationswissenschaft. Die unterschiedlichen Hintergründe und Kompetenzen haben sich sehr gut ergänzt. […]
Wir haben – meist in der Gruppe, mal mit einigen, mal alleine – wohl etwa hundert Gespräche geführt. Wir haben uns von Dresden bis München, Hamburg bis Frankfurt an wechselnden Orten getroffen. Häufig an den Wochenenden. Denn wir haben ja alle noch unsere Berufe. Das war intensiv und für alle sehr bereichernd. […]
Wir haben uns dagegen entschieden, Untergruppen zu bilden und alle Bereiche gemeinsam im Diskurs erarbeitet. Insofern stehen wir alle für alle Teile. Ich konnte dabei aber an zahlreiche Aspekte anknüpfen, mit denen ich mich in meiner Forschung zu öffentlich-rechtlichen Medien beschäftige, denn ein wesentlicher Schwerpunk war da in den vergangenen Jahren die digitale Transformation öffentlich-rechtlicher Anstalten, auch im internationalen Vergleich. […]
Am wichtigsten ist für uns, dass die öffentlich-rechtlichen Anstalten digitaler und effizienter aufgestellt werden und ihren Angebotsauftrag besser erfüllen können, um weiterhin der Demokratie zu dienen. Dazu braucht es nicht nur Veränderungen im System, sondern einen Umbau des Systems. Das bedeutet im Einzelnen eine Schärfung des Auftrags; eine Reform der Gremien mit eindeutigen Verantwortlichkeiten und wirksamer Kontrolle; zeitgemäße kollegiale Geschäftsleitungen statt des Intendantenmodells; eine ARD-Anstalt statt der Arbeitsgemeinschaft, um so Mehrfachstrukturen abzubauen; eine Fokussierung der Landesrundfunkanstalten auf ihre Region; eine gemeinsame technische Plattform für ARD, ZDF und das Deutschlandradio; die Weiterentwicklung der Führungskultur und ein Finanzierungsmodell gemäß erbrachter Leistung. Sie sehen, wir haben ein umfangreiches Reformpaket vorgelegt. […]
Alle unsere Vorschläge sind umsetzbar. Aber natürlich wird dafür ein Kraftakt aller Akteure – der Länder und der Anstalten – über mehrere Jahre nötig sein. Es kommt jetzt auf den Willen an, machbar ist es.
