Fernsehnutzung in Deutschland: Gibt es ein West-Ost-Gefälle?

Fernsehnutzung in Deutschland: Gibt es ein West-Ost-Gefälle?

Wenden sich Menschen aus dem Osten vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk ab? Der CDU-Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt Reiner Haseloff legt das nahe. Hat er recht? […]

Ost-Politiker wie Rainer Haseloff vermitteln zu gerne den Eindruck, der öffentlich-rechtliche Rundfunk hätte im Osten abgewirtschaftet. Ein Blick in die Zahlen der ARD-Medienforschung gibt ihm nicht recht. Im Gegenteil: Die Fernsehnutzung von ARD- und ZDF-Programmen liegt in den Bundesländern Thüringen (50,8 Prozent Marktanteil), Brandenburg (51,8 Prozent) und Sachsen (53,5 Prozent) über dem Bundesdurchschnitt von 50,3 Prozent. […]

An Deutschlands Nord- und Ostseeküste fallen die Marktanteile für ARD und ZDF am schwächsten aus. Mecklenburg-Vorpommern liegt bei 44,4 Prozent, Schleswig-Holstein kommt auf 45,3 Prozent und Hamburg auf 48,1 Prozent. […]

Interessant dabei ist, wie die einzelnen Ergebnisse von den jeweiligen landeseigenen ARD-Dritten beeinflusst werden. Das MDR-Fernsehen erreicht in Sachsen den Spitzenwert von 12,8 Prozent, Thüringen schaltet dieses Programm zu 8,6 Prozent ein, das Reiner-Haseloff-Land ist mit 7,7 Prozent dabei. […]

In keinem Bundesland werden die ARD-Dritten zusammen so ausgiebig genutzt wie in Sachsen: 19,8 Prozent, Hessen folgt dahinter mit 14,8 Prozent, Berlin belegt mit 10,7 Prozent den letzten Platz.

https://www.tagesspiegel.de/kultur/fernsehnutzung-in-deutschland-kein-west-ost-gefalle-10455034.html

ARD-Akzeptanzstudie: Drei von vier Menschen nutzen täglich mindestens ein ARD-Angebot.

Die ARD bescheinigt sich mit ihrer neuesten Akzeptanz­studie, dass sich 80 % der Bevölkerung durch ihre Bericht­erstattung „über das Geschehen in der Welt auf dem Laufenden gehalten“ fühlen. Gleichzeitig sinkt aber das Vertrauen in den Sender­verbund von 75 % im Jahr 2020 auf 69 %. Jeweils 71 % sagen, die ARD mache „Kompliziertes gut verständlich“ und „informiere gut darüber“, was in ihrer Heimatregion geschieht. 76 % der Bevölkerung über 14, also 53 Mio Menschen, nutzten täglich mindestens ein ARD-Angebot.

https://www.turi2.de/aktuell/ard-akzeptanzstudie-drei-von-vier-menschen-nutzen-taeglich-mindestens-ein-ard-angebot/

69% vertrauen den Angeboten der ARD. In der Akzeptanzstudie 2020 betrug der Wert 75%, nach der Corona-Pandemie nahm die Wertschätzung aller Medienanbieter ab. Darum ist dieser Wert trotz Rückgang als stabil zu bezeichnen.

73% der Menschen in Deutschland sind der Ansicht, die Berichterstattung der ARD sei verlässlich und qualitativ hochwertig […]

Im Rahmen der ARD Akzeptanzstudie wurden auch Fragen zum gesellschaftlichen Umfeld gestellt. Danach ist die Zufriedenheit mit der Demokratie in Deutschland deutlich auf 54% gesunken. Das entspricht im Bundesdurchschnitt einem Minus von 18 Prozentpunkten. In Ost- und Westdeutschland gibt es dabei deutliche Unterschiede: Im Osten Deutschlands sind nur 33% mit der Demokratie zufrieden (-22 Prozentpunkte) im Westen beträgt die Zufriedenheit 58%, (-17 Prozentpunkte).

Die ARD erreicht aber auch die Menschen, die mit der Demokratie nicht zufrieden sind: 71% dieser Menschen nutzen täglich die Angebote der ARD, die Reichweite des Medienverbunds mit aktueller politischer Information liegt hier bei 60%.

https://www.presseportal.de/pm/29876/5603332

Hinweis I: Wolfgang Schulz: „Wir sehen, dass Leute nicht das Vertrauen in Medien verlieren, sondern sagen, dass die Medien nicht ihre Wirklichkeit wiedergeben.“

https://www.medienpolitik.net/2022/05/die-medienregulierung-in-deutschland-faehrt-auf-eine-wand-zu/

Hinweis II: Zusammenhang zwischen Medien- und Systemvertrauen

Dabei zeigt sich, dass Medienvertrauen in einem deutlichen Zusammenhang mit der generellen Unzufriedenheit mit dem politischen System und der Wahrnehmung einer geringen politischen Wirksamkeit steht. Je stärker die Zweifel am politischen System sowie das Gefühl der eigenen Wirkungslosigkeit ausgeprägt sind, umso kritischer ist das Bild von der Berichterstattung in den klassischen Medien. …

Je stärker die Zweifel am politischen System sowie das Gefühl der eigenen Wirkungslosigkeit sind, umso kritischer ist auch das Bild von der Berichterstattung in den klassischen Medien.

Birgit van Eimeren, Erk Simon, Andreas Riedl, Media Perspektiven 11/2017

https://www.ard-media.de/media-perspektiven/fachzeitschrift/2017/artikel/medienvertrauen-und-informationsverhalten-von-politischen-zweiflern-und-entfremdeten/