Floskel-Wahl sorgt für Ärger
Nachlese vom 02.01.2023
Floskel-Wahl sorgt für Ärger
Kein Tag ohne Beschwörung der Freiheit! Nun ist das Wort „Freiheit“ zur Floskel des Jahres 2022 gewählt worden – und allein die Wahl und die Berichterstattung darüber sorgen in den (sozialen) Medien für Verwunderung. Das sprachkritische Projekt der Journalisten Udo Stiehl und Sebastian Pertsch gibt es bereits seit 2014, mit ihm sollen Phrasen und Formulierungen in Nachrichtentexten hinterfragt werden; seit 2020 wird eine Floskel des Jahres gewählt. Als Begründung für den aktuellen Platz 1 geben die Macher an, „Freiheit“ würde „entwürdigt von Egoman*innen, die rücksichtslos demokratische Gesellschaftsstrukturen unterwandern. Im Namen der Freiheit verkehren sie selbstgerecht und unsolidarisch die essenziellen Werte eines Sozialstaates ins Gegenteil – alles für den eigenen Vorteil.“ Als problematisch gilt Kritikern, dass Stiehl und Pertsch einen Begriff nach unklaren Kriterien prämieren. Pertsch gibt sich in den sozialen Medien als „kritikoffen“ und präsentiert sich als jemand, der Beleidigungen ablehnt, zugleich bezeichnet er seine Kritiker als „Arschloch“, „Trottel“ und „Schwachkopf“ und entzieht sich der Kritik, indem er ihm nicht genehme Personen auf Twitter blockiert. Auf Übermedien schreibt Stefan Niggemeier, die Floskel des Jahres werde von Medien und Agenturen behandelt, als ginge es um ein denkwürdiges Ereignis, um das Ergebnis einer Expertenumfrage, einer Publikumsabstimmung oder einer wissenschaftlichen Auswertung. „Dabei ist es nur das, was Pertsch und Stiehl so finden.“ (bild.de, tagesschau.de, uebermedien.de)
