Informationen frisieren, Probleme maskieren: Der SR und unsere heile Welt

Die Rundfunk- und Pressefreiheit gibt dem SR die Macht, die Saarländer umfassend aufzuklären. Stattdessen liefert er erstaunlich viel Nachrichtenkosmetik. Er scheut auch die Kontrolle der Mächtigen. […]

Die Pressefreiheit: Nachrichten und Fakten weglassen

Nicht-Berichterstattung ist die schärfste Waffe der Medien. Worüber nicht berichtet wird, existiert nicht. Das kann verschiedene Gründe haben: Das Thema wird nicht als relevant eingeschätzt. Es liegen politische oder persönliche Rücksichtnahmen vor. Die Sendezeit wird begrenzt. Oder ein bestimmtes Narrativ muss gefördert werden. Wer als Nachrichten-Profi im täglichen Fluss der Informationen steht, kennt die Nachrichtenlage und sieht, was die SR-Redaktionen daraus machen – oder eben nicht.

Kleine Manipulationen und große Vertuschungen

Hier eine nicht repräsentative Sammlung von Berichten, die Hinweise darauf geben, wie die Redaktion des Aktuellen Berichts mit bedeutsamen Informationen umgehen:

  • Auswertung der Kriminalstatistik (Wie sicher lebt es sich im Saarland?): Zahl der Straftaten leicht gestiegen, aber weniger Wohnungseinbrüche, mehr Polizei, kein Problem mit Asylsuchenden. Der SR betont das Positive. Die Saarbrücker Zeitung hingegen erkennt den bundesweiten Vergleich: Saarbrücken eine der gefährlichsten Städte in Deutschland (9.4.2024). […]

Das Schönfärben ist in den Strukturen des SR festgelegt

Der bei allen Gelegenheiten dargestellte Anspruch der unparteiischen und umfassenden Information hat beim SR sehr gelitten. Verharmlosung drängender Probleme, Verschonung der verantwortlichen Akteure, Verweigerung von Kritik – das Weichzeichnen und Schönfärben der saarländischen Realität liegen bereits in den Strukturen des SR.

  1. Der SR bedient eine Erzählung, die das Saarland immer als lebensfroh, stark, zukunftsorientiert und seine wichtigsten Akteure als kompetent und erfolgreich sieht. Der SR ist ein Stimmungsaufheller in der trüben wirtschaftlichen und sozialen Lage des Landes. Kritisches stört da.
  2. Die SR-Programmmacher stellen den Redaktionen keine ausreichende Sendezeit zur Verfügung, um dem Kernauftrag des SR, Recherchen im Auftrag der saarländischen Beitragszahler, nachzukommen. Das Sendeschema verhindert dies. Leistungsschwerpunkt ist Rund-um-die-Uhr-Unterhaltung, auf weiten Strecken auf zweifelhaftem Niveau.
  3. Beim SR liefern die freien Journalisten einen Großteil der Beiträge. Ihr Honorar richtet sich in der Regel nach der Länge des Beitrags. Der Zeitaufwand für aufwendigere Recherchen wird nicht bezahlt.  Die Folge: Die Autoren verzichten der Einfachheit halber darauf, Hintergründe und Zusammenhänge herauszufinden. Im Endeffekt gilt: Je weniger Recherche, desto lukrativer für die Freien. Das Nicht-Recherchieren ist beim SR im Entlohnungssystem angelegt.
  4. Es fehlt das Korrektiv, die systematische SR-interne Qualitätskontrolle durch den Rundfunkrat. Dort fehlen Expertise und Motivation.

https://www.saarlandinside.de/informationen-frisieren-probleme-maskieren-der-sr-und-unsere-heile-welt/