Lamby am Limit: Guck mal, wer da guckt

Lamby am Limit: Guck mal, wer da guckt

Der Dokumentarfilmer Stephan Lamby hat die Ampel-Koalition zwei Jahre lang begleitet und daraus eine Mini-Serie für die ARD gemacht: „Ernstfall – Regieren am Limit“. Politiker schauen dort permanent aus Fenstern, kritische Einordnung gibt es kaum. Es ist ein schwacher Film, auch handwerklich

https://uebermedien.de/88118/ernstfall-regieren-am-limit-ard-guck-mal-wer-da-guckt/

Nach ersten begeisterten Besprechungen von Stephan Lambys ARD-Dreiteiler „Ernstfall“ (Altpapier) gibt es nun auch kritische Stimmen. Fatina Keilani hat sich die Doku für die Neue Zürcher Zeitung angesehen und findet: „Der Film inszeniert die Akteure in propagandistischer Art als Helden.“ Kritische Fragen stelle Lamby nicht. Keilani: „Wer anderthalb Jahre unter einem Stein verbracht hat, bekommt eine einseitige Zusammenfassung eines Ausschnitts des Geschehens. Bösgläubig könnte man ‚Ernstfall‘ als Werbung sehen – in Bayern und Hessen nahen Landtagswahlen.“ Jörg Wimalasena schreibt in seiner Besprechung für die „Welt“, Lamby sei zu nah dran. Wimalasena: „Es ist bezeichnend für den Stand des politischen Diskurses, dass Produzenten offenbar glauben, nur mit hollywoodartigen Inszenierungen und oberflächlichen Hinter-den-Kulissen-Szenen ein Publikum für politische Dokumentationen zu finden. Ernst nimmt man seine Zuschauer damit nicht.“ Dirk Peitz analysiert für „Zeit Online“: „Womöglich zeigt sich das Grundproblem dieses Films, der am Ende so auf interessante Weise nicht gut ist, schon bei den ersten beiden Sätzen, ein Erzähler spricht sie aus dem Off: ‚Es war einmal. Es war einmal eine neue Regierung mit guten Vorsätzen.'“ Die Fallhöhe der Ausgangsthese habe für eine Langzeitdoku wohl nicht ausgereicht. „Also muss offenbar ein Märchen her, das nach Lambys Interpretation böse endet, gemessen an den vermeintlichen Selbstansprüchen der Beteiligten“, schreibt Peitz.

https://www.mdr.de/altpapier/das-altpapier-3324.html