MDR muss sparen: Stellenabbau und weniger Unterhaltung

Weniger Unterhaltung, Stellen werden nicht nachbesetzt – so will der MDR gut 160 Millionen einsparen

Der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) plant in den nächsten vier Jahren insgesamt Einsparungen von 160 Millionen Euro.
Nach Informationen von Business Insider will der öffentlich-rechtliche Sender die Ausgaben für Programm und Produktion um 47 Millionen Euro senken. Das dürfte vor allem die Unterhaltungssparte des MDR treffen, der im Senderverbund der ARD federführend für die Schlager-Shows mit Florian Silbereisen ist. (Paid)

https://www.businessinsider.de/wirtschaft/mdr-will-160-millionen-einsparen-weniger-unterhaltung-stellennachbesetzung/

MDR muss sparen: Stellenabbau und weniger Unterhaltung

Der MDR will in den nächsten Jahren rund 300 Stellen abbauen. Insgesamt sollen in der nächsten Beitragsperiode mindestens 160 Millionen Euro eingespart werden. Das hat Auswirkungen auf das Programm, nicht zuletzt den Show-Bereich.

Kein halbes Jahr im Amt, hat der neue MDR-Intendant Ralf Ludwig seinem Haus ein umfassendes Sparprogramm auferlegt. Auf einer Mitarbeiterversammlung sind am Freitag die Leitplanken für die Strategie- und Finanzplanung vorgestellt worden. Demnach wird der MDR in der kommenden Beitragsperiode mindestens 160 Millionen Euro einsparen, um das Ziel eines ausgeglichenen Haushalts erfüllen zu können. Erklärtes Ziel ist es, den MDR „unter Berücksichtigung der geänderten finanziellen Lage weiterhin publizistisch erfolgreich“ zu halten, wie aus einer Präsentation hervorgeht, die der Belegschaft jetzt präsentiert wurde.

„Es ist richtig, dass der MDR auf der Grundlage der Empfehlung der KEF im 24. Bericht in der kommenden Beitragsperiode mindestens 160 Millionen Euro wird einsparen müssen“, sagte ein MDR-Sprecher auf DWDL.de-Nachfrage. […] Konkret sollen unterhaltende Programmfarben reduziert werden, „auch auf ARD-Ebene“, wie es explizit heißt. Dieser Schritt könnte sich vor allem auf die erfolgreichen Shows mit Florian Silbereisen auswirken, deren Zukunft ohnehin unklar ist. Tatsächlich sollen durch eine Anpassung des ARD-Engagements weitere 20 Millionen Euro eingespart werden.

https://www.dwdl.de/nachrichten/97594/mdr_muss_sparen_stellenabbau_und_weniger_unterhaltung/

Im Rahmen eines Führungskräfte-Treffens am 10.4.2024 hat MDR Intendant Ralf Ludwig seine Strategie- und Finanzplanung 2025-2028 vorgestellt. Am 11.4. wurden der erweiterte Führungskreis über die Planung informiert und heute, 12.4. ab 10 Uhr die Belegschaft im Rahmen einer Betriebsversammlung.

Am Nachmittag trifft Ludwig die Gremienspitzen zum Thema, in der Folge werden auch Verwaltungs- und Rundfunkrat informiert. „Das ist ein erster Aufschlag, um uns dieser großen Herausforderung zu nähern“, sagte Ludwig zum Abschluss der Präsentation. Die Vorschläge seien aus den Direktionen gekommen, hier bestehe auch noch Handlungsspielraum. […]

„Wir haben die vergangenen zehn Jahre viel zu viel gemacht“, so Intendant Ludwig im Rahmen der Vorstellung.

Sollte die Erhöhung des Rundfunkbeitrags ausbleiben, würde die Summe sogar auf 60 Mio. Euro pro Jahr steigen. Ludwig kündigte allerdings an: Sollte die Beitragserhöhung nicht kommen, werde man die Planung nicht anpassen, sondern nach Karlsruhe vor das Bundesverfassungsgericht ziehen. „Da können sie mich beim Wort nehmen.“ […]

Beim Personal setzt man darauf, bis 2028 insgesamt fast 50 Mio. Euro einsparen zu können. Bis Ende 2028 will man dafür um rund 300 Stellen reduzieren: 213 feste und 71 arbeitnehmer­ähnliche freien Beschäftigte, die in Rente oder die passive Phase der Altersteilzeit wechseln, sollen nicht mehr nachbesetzt werden. Betriebsbedingte Kündigungen soll es aber nicht geben.

Seitens der Freien-Vertretung wird befürchtet, dass durch die Einsparungen auch viele Schichten bei Freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern entfallen könnten. […]

Hauptleidtragender im Programm wird die Unterhaltungssparte sein. Im Programm solle weiterhin die Strategie „MDR für alle“ verfolgt werden, so die Planung. Ein starker Fokus liege auf der Information im Regionalen. Auch soll der Dialog mit dem Publikum künftig eine noch größere Rolle spielen.

Vor allem aus den Landesfunkhäusern erreichen uns Stimmen, dass man positiv überrascht sei, wie glimpflich man davon gekommen sei. […]

Konkret haben es die Programm-Maßnahmen aber in sich: So werden im TV-Programm die „Umschau“-Ausgaben reduziert, „Der Osten – Entdecke wo du lebst“ produziert weniger und soll überarbeitet werden. „Fakt ist“ wird dagegen häufiger kommen und auf Mittwoch verlegt.

Das Investigative muss heftig Federn lassen: „Exakt“ und „exactly/Exakt – Die Story“ teilen sich künftig einen Sendeplatz. Beide werden deutlich seltener erscheinen, von 44 Sendungen auf 21 ist die Rede. Das führte zu deutlicher Kritik durch die Mitarbeitenden in der anschließenden Diskussion. Aus dem Direktorium kam der Hinweis, dass es sich bei den Maßnahmen bislang nur um Vorschläge handle, irgendwo aber gespart werden müsse.

https://www.flurfunk-dresden.de/2024/04/12/160-mio-euro-bis-2028-mdr-stellt-planungen-fuer-einsparungen-vor/

Seit fast 20 Jahren läuft die Spieleshow „Quickie – Das schnelle Quiz“ im TV. Jetzt droht der Sendung das Aus. Laut Medienbericht will der MDR das Format streichen.

Im Mai 2005 flimmerte „Quickie“ zum ersten Mal über die Bildschirme. Im kommenden Jahr feiert die Spieleshow ihr 20-jähriges Jubiläum. Doch dazu wird es eventuell nicht mehr kommen. Denn wie das Medienmagazin „dwdl.de“ berichtet, muss der MDR 160 Millionen Euro sparen.

https://www.t-online.de/unterhaltung/tv/id_100384566/-quickie-mdr-show-wird-nach-fast-20-jahren-aus-dem-programm-genommen.html

Von den Kürzungen betroffen ist das TV-Unterhaltungsformat „Außenseiter Spitzenreiter“, acht Neuproduktionen sollen wegfallen. Verzichtet werde auch auf sechs neue Folgen des Formats „Fröhlich lesen“. Entfallen sollen ab 2025 zudem Neuproduktionen der MDR Zeitreise. Geplant sind ferner weniger Folgen des Formats „Unterwegs in…“, das sehenswerte Gegenden im Sendegebiet erkundet.

Das TV-Outdoor- und Reiseformat „Biwak“ soll ab 2025 nicht mehr neu produziert werden. Weniger Folgen sind zudem für die Formate „Umschau“ sowie „Der Osten – Entdecke, wo du lebst“ sowie das Nachrichtenmagazin „Exakt“ geplant. Auch Unterhaltung soll es nicht mehr im bisherigen Umfang geben.

https://www.saechsische.de/fernsehen/sparkurs-beim-mdr-weniger-produktionen-keine-nachbesetzungen-5988343.html

Florian Silbereisen tourt in diesen Wochen durch die größten Hallen der Republik. Der Entertainer zelebriert „Das große Schlagerfest XXL“, mit Szenegrößen wie DJ Ötzi oder Michelle. Vermarktet werden die Großevents als Jubiläum der „Feste“-Reihe, die Silbereisen seit zwei Jahrzehnten im Ersten moderiert. Doch in Zukunft könnte die Feierlaune des TV-Stars erheblich schrumpfen. Denn sein Haussender, der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR), will in den nächsten Jahren massiv sparen.

Schon die Verlängerung der Schlagershows in der ARD erwies sich als Hängepartie. Schließlich stimmte der Rundfunkrat des MDR im vergangenen Dezember zu, die „Feste“ auch 2024 stattfinden zu lassen. Allerdings hatten die Verträge mit Silbereisen in der Vergangenheit eine Laufzeit von vier Jahren. Seine zusätzlichen Shows im dritten Programm strich der öffentlich-rechtliche Sender aus Kostengründen. War das nur der Anfang eines XXL-Streichkonzerts?

https://www.businessinsider.de/wirtschaft/mdr-will-160-millionen-einsparen-weniger-unterhaltung-stellennachbesetzung/

Der MDR reißt das Ruder herum – jedoch sehr spät

Das Haushaltsloch der öffentlich-rechtlichen Anstalt war absehbar. Die frühere Spitze hat Reformen um Jahre verschleppt – das rächt sich nun. […]

Am Dienstag verkündete der MDR den vorzeitigen Abgang von Programmdirektor Klaus Brinkbäumer, der trotz eines Vertrag bis 2026 nun andere Aufgaben übernehmen soll.

Die Entscheidung sei einvernehmlich gefallen, heißt es – wie stets in solchen Fällen. Intern hat Brinkbäumer allerdings durchblicken lassen, dass MDR-Intendant Ralf Ludwig für die Zeit ab 2026 ohnehin ohne ihn geplant habe.

Die Personalie war nur ein Vorbeben. Fast 300 Stellen sollen wegfallen, erfuhren die Mitarbeiter am Freitag, ein Nachbesetzungsstopp für sämtliche Altersabgänge ist das Mittel. Das ist Personalpolitik mit dem Holzhammer – aber offenbar ist nur so der jetzt nötige Spareffekt zu erzielen. Das Streichen von Radiofrequenzen, Fernsehsendungen, Büros und anderem kommt noch obendrauf.

Das alles wirft die Frage auf: War das Haushaltsloch nicht absehbar?

https://www.mz.de/mitteldeutschland/sachsen-anhalt/der-mdr-reisst-das-ruder-herum-jedoch-sehr-spat-3824478

Hinweis I: Die KEF hat den angemeldeten Gesamtaufwand der ARD von 30,20 Mrd. Euro auf 29,62 Mrd. Euro gekürzt, also um ca. 2 Prozent. Doch die KEF hat der ARD auch höhere Gesamtaufwendungen anerkannt. Für 2021-24 standen der ARD 27,5 Mrd. Euro zur Verfügung, für 2025-28 sind es 29,62 Mrd. Euro. Die Ausgaben der ARD dürfen in den vier Jahren also um 2,1 Mrd. Euro steigen.

Hinweis II: Bisher hat sich der MDR mit ca. 5 Mio. Euro an der Finanzierung der Silbereisen-Shows im ERSTEN beteiligt. Wenn diese Shows ab 2025 nicht fortgesetzt und auch nicht durch andere Produktionen ersetzt werden, dann ist die Sparsumme in der Unterhaltung schon erbracht.

Hinweis III: Die Übernahme des Mittagsmagazins sowie die GSEA Kultur in Weimar schlagen für den MDR mit ca. 7,5 Mio. Euro zu Buche.