MDR – Öffentlich-rechtliche Debatte: Vielfalt, was ist das?

Öffentlich-rechtliche Debatte: Vielfalt, was ist das?

Beim MDR wird zwei Tage lang darüber diskutiert, wie der öffentlich-rechtliche Rundfunk zum Gemeinwohl beiträgt. Manchen Intendanten fällt dazu wenig ein.

Wie entsteht Gemeinwohl durch Vielfalt in den Medien, und welche Rolle spielen öffentlich-rechtliche Medien dabei? Warum ist dies für die Demokratie entscheidend? …

Ein intensives Nachdenken über Vielfalt im öffentlich-rechtlichen Rundfunk ist begrüßenswert, sind doch viele Defizite offenbar. Sei es bei der Wiedergabe differierender Meinungen im politischen Diskurs, einer un­zureichenden Spiegelung der Wirklichkeit, der Zusammensetzung der Redaktionen, mangelnder Partizipation der beitragszahlenden Bürger oder auch beim Gendern, das die große Mehrheit der Bevölkerung ablehnt.

Die Bedeutung der Vielfalt für die Akzeptanz des öffentlich-rechtlichen Rundfunks hob auch MDR-Intendantin Karola Wille hervor. Dieser habe eine „integrative Aufgabe, eine Public-Balance-Aufgabe“. Sie bestehe darin, gesellschaftliche Vielfalt sichtbar zu machen und einzuordnen: Themen, Akteure, Meinungen, Er­fahrungen, Werthaltungen und Perspektiven in zeitgemäßen Angebotsformen. Der Wert öffentlich-rechtlicher Medien für die Gesellschaft entstehe „im Auge des Be­trachters, des Bürgers, als Individuum und als Teil der Gesellschaft“.

„Die integrative Aufgabe von öffentlich-rechtlichen Medien besteht vor allem im Sichtbarmachen und Einordnen der gesellschaftlichen Vielfalt“, bekräftigte Timo Meynhardt, Professor an der Handelshochschule Leipzig. …

Zugleich fragte Meynhardt: „Wie sieht die Realität aus? Haben die Verantwortlichen den Mut zur kompetenten Kritik in der Berichterstattung, aber auch die Fähigkeit zu Selbstkritik und transparenter Fehlerkultur?“ Die Antworten fielen in der Debatte mit vier ARD-Intendanten (Radio Bremen, Saarländischer Rundfunk, SWR, WDR) mehr als dürftig aus. Kai Gniffke, Intendant des SWR und künftiger ARD-Vorsitzender, gab zum Besten, ihm falle beispielsweise keiner in der ARD ein, der sich in einem Kommentar für einen Weiterbetrieb von Kernkraftwerken ausspräche. Zudem warnte er davor, Mitarbeiter zu stark in Grundsatzentscheidungen einzubeziehen.