Öffentlich-rechtliche Plattform wichtiger denn je
Öffentlich-rechtliche Plattform wichtiger denn je
Der Wirtschaftswissenschaftler Leonhard Dobusch hat den konsequenten Ausbau einer sozialen Plattform der Öffentlich-Rechtlichen gefordert. Die viel kritisierten öffentlich-rechtlichen Medien seien heute wichtiger denn je, sagte das Mitglied des ZDF-Verwaltungsrats am Donnerstagabend in Berlin bei der Verleihung der Otto-Brenner-Preise für kritischen Journalismus. Es brauche dringend digital-öffentliche Räume, die einem demokratischen Auftrag verpflichtet seien. ZDF und ARD seien strukturell auf Kompromiss und Konsens ausgerichtet: „Mehr Gegenmodell zu privaten Plattformen, wo jene, die am lautesten und emotionalsten und radikalsten rumbrüllen, am meisten Gehör finden, geht nicht.“
Um selbst zu Plattformbetreibern zu werden, müssten die Öffentlich-Rechtlichen sich und ihre Kommunikationswege vor allem ihrem Publikum gegenüber, aber auch für andere gemeinnützige und private Medien öffnen, sagte Dobusch bei der Veranstaltung der gewerkschaftsnahen Otto-Brenner-Stiftung. Es sei absurd, dass Menschen auf kommerzielle Plattformen wie Youtube oder Instagram gehen müssten, wenn sie über öffentlich-rechtliche Themen und Inhalte diskutieren wollten. „Das steht im eklatanten Widerspruch zum Auftrag, demokratische Meinungsbildungsprozesse zu fördern“, sagte Dobusch.
Mit dem 22. Rundfunkänderungsstaatsvertrag, der im Mai 2019 in Kraft trat, seien die Grundvoraussetzungen, öffentlich-rechtliche Medien „social“ zu machen, bereits geschaffen, unterstrich der Betriebswirt. Erste Schritte seien mit der Verschränkung der Mediatheken von ARD und ZDF bereits gemacht. Doch würden die Öffentlich-Rechtlichen sich eher langsam entwickeln, mit „viel weniger Wumms“ als die globalen digitalen Plattformen.
Das Profil derer, die Mediatheken nutzen, mit Kommentarfunktionen, teilbaren Playlists und anderen Features auszustatten, sei der logische nächste Schritt, sagte Dobusch. Es brauche eine Öffnung der Mediatheken für nutzergenerierte Inhalte und eine Software, die mit offenen Standards zur grenzüberschreitenden Zusammenarbeit mit anderen öffentlich-rechtlichen Medien in Europa einlade.
Die „negative Stimmung“ gegenüber den Öffentlich-Rechtlichen führte Dobusch zum einen auf den Wettbewerb mit traditionellen werbefinanzierten privaten Medienhäusern zurück. Deren Geschäftsmodell sei erschüttert, seit Werbung im Internet die Kunden viel treffsicherer erreiche als klassische Printwerbung. (Epd)
Festrede zu Reform und Zukunft des öffentlich-rechtlichen Rundfunks
In der Festrede anlässlich der Verleihung der Otto-Brenner-Preise für kritischen Journalismus 2023 habe ich in der laufenden Debatte eine provokant-optimistische These vertreten: Die besten Zeiten öffentlich-rechtlicher Medien liegen noch vor uns.
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