rbb: „Was wir da teilweise entdeckt haben, ist mir so absolut fremd“

rbb: „Was wir da teilweise entdeckt haben, ist mir so absolut fremd“

Beim RBB geraten weitere Mitglieder der Geschäftsführung ins Visier der Ermittlungen. Ein Gespräch mit dem Journalisten Jo Goll, der im eigenen Haus über das Desaster aufklärt. …

Ich hätte mir das nach 32 Jahren in der ARD wirklich nicht vorstellen können, dass man wochenlang im eigenen Haus unterwegs ist, auf der Suche nach Unterlagen und Gesprächen. Langsam fühlt es sich an, als würden wir gegen einen anderen großen Betrieb recherchieren, als ginge es gegen die Deutsche Bahn oder den BER. Was wir da teilweise entdeckt haben, ist mir so absolut fremd. …

Wir fragen uns auch: Wie konnte eine Redakteurin des Norddeutschen Rundfunks sehr schnell zur Leiterin der RBB-Intendanz aufsteigen, um dann faktisch als Projektleiterin dieses Multimillionenbaus zu fungieren? Wäre ich verantwortlich gewesen, hätte ich nachts kein Auge zugetan. …

Das ändert nichts daran, dass insbesondere in der Intendanz einzelne Personen eine unfassbar hohe Machtfülle hatten – damit man aus meiner Sicht möglicherweise sogar in der Lage war, einzelne Entscheidungen an den Kontrollmechanismen vorbei zu organisieren. …

Die Idee, eine Rechercheeinheit zu gründen, hat der Chefredakteur mitangestoßen, allerdings haben wir uns vorbehalten, dass wir inhaltlich frei arbeiten und es keine Kontrolle geben darf. Das ist akzeptiert worden und tatsächlich mischt sich niemand ein. …

Ich habe dem Chefredakteur gesagt, er und die Geschäftsleitung müssen dafür sorgen, dass sich das Team so schnell wie möglich wieder auflösen kann. Es kann nicht zum Selbstzweck werden, dass man über Monate gegen den eigenen Sender recherchiert. Die Geschäftsleitung muss ihren Beitrag bei der Aufarbeitung leisten. Gerade habe ich ein bisschen Zweifel, wie das läuft. …

Wir haben jetzt eine neue Interimsintendantin, deren Gehalt nur knapp unter dem von Frau Schlesinger liegt. Für mich ist das eine vertane Chance, denn der RBB hätte jetzt das Zeichen senden müssen, dass solche Gehälter in unserer Situation, aber auch prinzipiell in der ARD, so frei verhandelbar nicht sind. Wir finden, dass jeder und jede Verantwortliche sich fragen muss: Was war mein Anteil an diesem Desaster? Muss ich selbst Konsequenzen ziehen, oder warte ich, bis das andere tun? Es muss auch dringend geklärt werden, was dieser Begriff „System Schlesinger“ bedeutet. Wir finden nicht, dass man sämtliche Managementfehler und die gesamte Misswirtschaft im RBB an einer einzigen Person festmachen kann.

https://www.sueddeutsche.de/medien/rbb-jo-goll-schlesinger-oeffentlich-rechtliche-1.5672070