Streit um Kulturauftrag: Alle gegen Gniffke
Streit um Kulturauftrag: Alle gegen Gniffke
In der Akademie der Künste in Berlin geht es um den öffentlich-rechtlichen Rundfunk als „kulturfreie Zone“. Der ARD-Chef Kai Gniffke muss sich heftiger Kritik erwehren. Um die Frage, was den Kulturauftrag der Sender ausmacht, geht es kaum. […]
Es ging also um die Rolle der Kultur im Rundfunk. Die ist einerseits nicht verhandelbar, besteht doch die Aufgabe des öffentlich-rechtlichen Rundfunks gerade darin, seinen in Staatsverträgen festgehaltenen Kultur- und Bildungsauftrag zu erfüllen. Andererseits kann man über die Auslegung dieses Auftrags natürlich diskutieren. Und so sagte Gniffke, der „16 Jahre ,Tagesschau‘ im Gepäck“ hat, als Einleitung der großen Mehrheit seiner Beiträge, wie sehr er an den Fakten hänge. Ganz so, als sei außer ihm im Podium daran niemand interessiert. Die Fakten, sagte Gniffke, belegten jedenfalls, dass der Rundfunk keine „kulturfreie Zone“ sei, kein Euro werde gespart. (Paid)
Der eben noch als mächtig und schlangenhaft-vielköpfig beschriebene öffentlich-rechtliche Rundfunk gilt vielen inzwischen als gefährdete Spezies. Die institutionelle Pracht, so wurde am Montagabend im Rahmen des 22. Akademiegesprächs in der Berliner Akademie der Künste in immer neuen Anläufen festgestellt, ist von mindestens drei Fronten bedroht. Die eine naht in Gestalt populistischer Ressentiments, die mit hässlichen Vokabeln wie Systempresse, Staatsfernsehen und Zwangsgebühren in Umlauf gebracht werden. Die zweite Bedrohung geht von einem veränderten Nutzungsverhalten aus, das kulturelle Ertüchtigung nicht länger aus klar definierten Endgeräten bezieht, sondern flüchtig von hier nach da schweift. Die gesellschaftliche Drift zur Digitalisierung hat eine mediale Untreue im Gepäck, die das Programmmachen per se zu strukturellem Krisenmanagement drängt. Daraus folgt drittens nicht zwangsläufig, aber immer öfter, eine operative Erstarrung, in der man so tut, als ginge es darum, die Reste des Guten wenigstens noch für eine kurze Weile zu erhalten. […]
Gut eine halbe Stunde lang wehrte sich Gniffke vehement gegen die Unterstellung von Kultur- und Programmkürzungen, die ihn schließlich zur rhetorischen Notwehr nötigten: „Ich bin nicht schuld, wenn sich die Wirklichkeit nicht an ihre Vorurteile hält.“ Gniffke sprach lieber von Umverteilung aus den linearen in digitale Programme. […]
Der viel gescholtene ARD-Mann Gniffke solle vom mit Wünschen und Vorwürfen traktierten Adressaten zum Verbündeten werden, schlug Veiel vor.
https://www.fr.de/kultur/tv-kino/rundfunk-fernsehen-und-kultur-die-reste-des-guten-92501650.html
Programmvielfalt, innovative Formate, mehr Gestaltungsraum für die Rundfunkräte – der öffentlich-rechtliche Rundfunk, so das sichtlich erschöpfte Resümee, werde noch gebraucht. Dass neben den sich verändernden Rezeptionsbedingungen – Netflix, Amazon, Instagram – eine alles in den Schatten stellende Revolution der Produktionsbedingungen längst durch die Senderritzen eingedrungen ist, blieb seltsamerweise außen vor. Das Stichwort Künstliche Intelligenz (KI) fiel nicht. Man hätte die Frage nach der kulturfreien Zone ÖRR wohl ganz anders stellen müssen.kademie der Künste über die Zukunft der Medien und verfehlten ihr Thema.
Hinweis I: Die ARD muss nur ihre Wirklichkeit in Zahlen darstellen: welche Mittel stehen wofür zur Verfügung. Die Ausgaben für Kultur werden nicht gesondert dargestellt, sondern immer im Zusammenhang mit Wissenschaft.
https://www.ard.de/die-ard/organisation-der-ard/Verwendung-des-Rundfunkbeitrags-100/
Hinweis II: Wie sich der Anteil im Programm entwickelt, kann nicht nachvollzogen werden, da die ARD/ZDF-Programmanalyse für 2023 ausgesetzt wurde.
