Tragische Einzelfälle oder strukturelles Problem? OBS-Studie über Gewalt gegen Frauen in Medien
Tragische Einzelfälle oder strukturelles Problem? OBS-Studie über Gewalt gegen Frauen in Medien
Die Berichterstattung über Gewalt gegen Frauen bleibt in deutschen Medien oft auf den „Einzelfall“ fixiert, strukturellen Hintergründen wird wenig Raum gegeben, „Familientragödie“ oder „Ehedrama“ verlieren als verharmlosende Begriffe an Bedeutung. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie der Otto Brenner Stiftung.
Gewalt gegen Frauen ist in Deutschland stark verbreitet, sie betrifft Frauen allen Alters und aus allen sozialen Schichten. Die mit zwei Dritteln „alltäglichste“ Form der Gewalt ist dabei die Körperverletzung, Täter sind in über der Hälfte der Fälle (Ex-)Partner oder Männer aus dem nahen sozialen Umfeld. Allerdings wird über diese alltäglichen Formen von Gewalt kaum in den Medien berichtet, wie die Untersuchung „Tragische Einzelfälle – Wie Medien über Gewalt gegen Frauen berichten“ nun zeigt: Lediglich 18 Prozent der Berichte themati-sieren Körperverletzungsdelikte und weniger als jeder vierte Artikel handelt von partner-schaftlicher Gewalt. „Offensichtlich ist Gewalt gegen Frauen und vor allem Gewalt in intimen Beziehungen immer noch ein großes Tabu – in der Gesellschaft wie auch bei den Medien-schaffenden“, konstatiert Studienautorin Dr. Christine Meltzer. Gewalt gegen Frauen werde nur dann in den Medien aufgegriffen, so Meltzer weiter, wenn sie eine besonders brutale Form annimmt und etwa mit dem Tod des Opfers ende – was in der Realität aber nur einen Bruchteil (weniger als 1 Prozent) der verübten Gewalt ausmache. ….
Die Ergebnisse der empirischen Erhebung zeigen eine deutliche Überbetonung bestimmter Gewalttaten, während andere viel zu wenig in den Medienberichten ausgeleuchtet werden – es klaffen große Lücken zwischen den Zahlen aus der Kriminalstatistik und deren medialer Relevanz. Ein weiter Befund ist, dass die überwiegende Mehrheit der Artikel (ca. 70 Pro-zent) auf der Ebene einer reinen Einzelfallbeschreibung verbleibt.
www.otto-brenner-stiftung.de/gewalt-gegen-frauen
