Über die strukturelle Regierungsnähe öffentlich-rechtlicher Politik-Berichterstattung

Strukturelle Nähe

In seinem Porträt des CDU-Politikers Hendrik Wüst spart der Reporter Markus Feldenkirchen wichtige Fragen aus. Die ARD-Dokumentation „Markus Feldenkirchen trifft Hendrik Wüst“ wird so sehr wohlwollend, meint Christian Bartels. […]

Feldenkirchen lobt ausdrücklich Wüsts „mitfühlenden Konservativismus“ und sähe ihn offenkundig gerne als Kanzlerkandidaten der Unionsparteien oder gar als Bundeskanzler. Vermutlich nimmt die ARD Anschlussfragen wie die, welche Perspektive Feldenkirchen eigentlich einnimmt – eine individuelle, die des Landes oder die der Partei? -, und ob es Aufgabe von Journalisten oder des öffentlich-rechtlichen Rundfunks sein sollte, Kanzlerkandidaten vorzuschlagen, gerne in Kauf. Außerdem hat sich das insistierende Stellen von „K-Fragen“ ja längst als zentraler Inbegriff des Fernseh-Journalismus eingebürgert. […]

Der Film hat also durchaus Informationswert, doch wichtige Fragen fehlen: Darüber, welche aktuellen Probleme der Ministerpräsident des bevölkerungsreichsten Bundeslands gemeinsam mit den Grünen zu lösen versucht, verliert hier niemand ein Wort.

Vor allem aber präsentiert „Feldenkirchen trifft Wüst“ alle in der Kritik oft bemängelten Kernelemente der öffentlich-rechtlichen Politik-Berichterstattung auf dem Silbertablett: Sie personalisiert bis an die Grenzen des Boulevards und lässt das, was Politiker nicht in knappen Aussagen erklären können, lieber weg. Das geschieht hier in einer sehr geschlossenen Form. Sehr deutlich wird auch die strukturelle Regierungsnähe der öffentlich-rechtlichen Politik-Berichterstattung.

https://medien.epd.de/article/1436