Verzerrter Wettbewerb: Nach dem WM-Aus Irans
Noch nie hat ein WM-Gastgeber so schamlos in das sportliche Geschehen eingegriffen wie die USA. In Irans Team beklagt man fehlende Fairness.
„Die WM ist eine Desaster“, sagte Mehdi Taremi, der Kapitän der iranischen Nationalmannschaft nach dem 1:1-Unentschieden im letzten Spiel der Gruppe G gegen Ägypten. „Ein Desaster“, wiederholte er noch einmal. Und dann ließ er seinen Gedanken freien Lauf und zählte auf, wie mit seinem Team vor und während des Turniers umgegangen worden ist. Sein Vorwurf: „Die Fifa hätte alle Probleme lösen müssen, das ist ihr leider von Anfang an nicht gelungen.“ Zu diesem Zeitpunkt war noch nicht klar, dass Iran ausscheiden würde. Große Hoffnungen machte sich Teremi bei seiner Ansprache in der Mixed Zone offenbar nicht.
Erst drohte Iran mit einem Boykott, dann gab es Befürchtungen, Spieler und Betreuer würden keine Visa bekommen, bevor US-Präsident Donald Trump dann meinte, das Team könne schon einreisen, für seine Sicherheit könne aber niemand garantieren. Während Fifa-Präsident Gianni Infantino viel dafür unternahm, das iranische Team zu bearbeiten und zu einer Teilnahme an der WM zu bewegen, dachte sich die US-Regierung eine Gemeinheit nach der anderen aus, um dem iranischen Team den Aufenthalt bei der WM so unkomfortabel wie möglich zu machen.
Ein derart dreistes Eingreifen in Abläufe während einer Sportgroßveranstaltung sucht seinesgleichen. Das Team, das sich seit März aus Sicherheitsgründen in der Türkei aufgehalten hatte, durfte für die WM nicht in den USA Quartier nehmen, obwohl alle drei Gruppenspiele in den Staaten angesetzt waren.
Es bereitete sich im mexikanischen Tijuana vor, durfte nur zum Spiel selbst anreisen und hatte gleich nach dem Spiel wieder zu verschwinden. Nur für das Spiel gegen Ägypten in Seattle genehmigte man den Spielern eine frühere Anreise. Wesentliche Betreuer des Teams, auch solche aus dem medizinischen Stab, durften die Spieler zudem nicht zu den Partien begleiten, weil die USA ihnen Visa verwehrt hatten.
Weiterlesen: https://taz.de/Nach-dem-WM-Aus-Irans/!6191467/
Anmerkung: Die Ergebnisse der kompletten #WM gehören anulliert, wenn nicht jede einzelne Mannschaft dieselben Bedingungen vorfindet. Die USA ist als Austragungsort internationaler Großereignisse ungeeignet.
