Was Kinder sehen 2022: Analyse der Fernsehnutzung Drei- bis 13-Jähriger 2022

Was Kinder sehen 2022: Analyse der Fernsehnutzung Drei- bis 13-Jähriger 2022

Tagesreichweite linearer Angebote erstmals unter 40 Prozent

Im Jahr 2022 unterschritt die Tagesreichweite des linearen Fernsehens zum siebten Mal in Folge die 50-Prozent-Marke und erreichte mit 36,2 Prozent einen neuen Tiefstwert, lag somit das erste Mal unter der 40-Prozent-Marke. Nach täglich 46 Minuten im Jahr 2021 sahen Kinder im Jahr 2022 nur noch 37 Minuten fern. Die Verweildauer (Sehdauer der Seherinnen und Seher) war 2022 ebenfalls rückläufig und erreichte mit 90 Minuten einen neuen Tiefstwert. Überdurchschnittliche Verluste sind bei den Sechs- bis Neunjährigen zu erkennen.

KiKA bleibt trotz Verlusten mit 12,7 Prozent Zuschaueranteil Marktführer

Im Konkurrenzumfeld mit Streamingdiensten und Mediatheken konnte der KiKA von ARD und ZDF beim linearen Fernsehen seine Marktführerschaft 2022 gegenüber Super RTL zwar behaupten, insgesamt schreitet die Segmentierung des Marktes aber weiter voran. Die fünf Kindersender zusammengerechnet vereinen nur noch 41,2 Prozent (2021: 44,8 %) der Fernsehnutzung auf sich. Als einziger Kindersender steigerte Nick seinen Marktanteil auf 5,0 Prozent, während KiKA, Super RTL, Toggo plus und der Disney Channel Marktanteile verloren. In der nutzungsintensiven Primetime (19.00 bis 21.00 Uhr) bleibt der KiKA weiterhin Marktführer bei den Kindern mit einem Marktanteil von 14,7 Prozent und ist weiterhin der einzige Sender im zweistelligen Bereich vor Disney, RTL und Das Erste. Während der Sendezeit des KiKA von 6.00 bis 21.00 Uhr fallen die Marktanteile aller Kinderprogrammanbieter höher aus.

Non-lineare Angebote gewinnen an Bedeutung

Lineares Fernsehen ist eine der häufigsten Freizeitaktivitäten von Kindern. Allerdings gewinnen in Familien mit Kindern Streamingabonnements an Bedeutung. Mit 31 Prozent monatlicher Nutzungsdauer nähert sich die Nutzungsintensität von Streaming und linearem Fernsehen (39 %) weiter an.

https://www.ard-media.de/media-perspektiven/publikationsarchiv/2023/detailseite-2023/was-kinder-sehen-2022

Betrachtet man die Nutzung im Tagesverlauf, zeigt sich, dass immer weniger Kinder über den Tag hinweg fernsehen. Die zunächst zu Pandemiebeginn angestiegene TV-Nutzung von Kindern am Vormittag und Mittag wurde bereits im Vorjahr wieder nivelliert und ist weiter rückläufig. Ebenso wird die Kernfernsehzeit am Abend immer kürzer und von immer weniger Kindern eingeschaltet. Zum zweiten Mal in Folge wird zu keiner Tageszeit die 10-Prozent-Marke bei der TV-Nutzung der Kinder übertroffen. Die Erosion der linearen Fernsehnutzung setzt sich im Jahr 2022 stetig fort und wird vor allem in der Primetime deutlich. Der intensive Wettbewerb um die Zuschauergunst hat sich verschärft, auch wenn zumindest die werbefinanzierten Kindersender optimistisch bleiben und auch in Zeiten des Streamings weiterhin auf das lineare Fernsehen setzen wollen.

Langfassung

https://www.ard-media.de/fileadmin/user_upload/media-perspektiven/pdf/2023/MP_16_2023_Was_Kinder_sehen.pdf

Sehr neugierig wäre ich auf eine Umfrage darüber, ob jene untersuchte Kindergruppe, die laut der Studie übrigens auch sehr viele Nachrichten über den Ukraine-Krieg geschaut hat, denn den Medieninhalten glaubt, die sie konsumiert, und wie überhaupt die Medienkompetenz einzuschätzen ist.

https://www.mdr.de/altpapier/das-altpapier-3306.html