Was sich bei ARD und ZDF sofort ändern muss: Fünf Vorschläge

Was sich bei ARD und ZDF sofort ändern muss: Fünf Vorschläge

ARD und ZDF sind sich zu ähnlich: Die Hauptprogramme der Senderfamilien ARD und ZDF zielen mit verwechselbaren Inhalten auf dasselbe Publikum und sind sich darüber viel zu ähnlich geworden. … Der Gedanke, dass Konkurrenz das Geschäft belebt, hat hier vielleicht mal gestimmt. Inzwischen aber berichten die Nachrichtenmagazine „Tagesthemen“ und „heute-journal“ an vielen Abenden über fast genau die gleichen Themen. Dass sie dabei unterschiedliche Perspektiven einnehmen oder in Kommentaren unterschiedliche Meinungen äußern, kommt selten vor.

Sinnlose Mediatheken-Konkurrenz: … Seit die Mediennutzung nicht nur junger Leute zusehends nonlinear, also auf Abruf, stattfindet, zeigt sich der Überfluss an verwechselbaren Inhalten noch deutlicher – bei einem Blick in die Mediatheken. Im Sommer 2021 rauften sich ARD und ZDF zu technischer Zusammenarbeit hinter den Kulissen bzw. den „Nutzeroberflächen“ zusammen. …

Sonst aber ist vom damals pompös angekündigten „gemeinsamen Streaming-Netzwerk“ nichts zu sehen. Im Gegenteil, selbst im Segment Kultur, das in beiden öffentlich-rechtlichen Hauptprogrammen eine Nische darstellt, rivalisieren die Anstalten lieber:

Viel zu viele Hörfunkwellen: … Die Vielzahl öffentlich-rechtlicher Radiosender springt noch mehr ins Ohr als die der Fernsehsender ins Auge, zumal alle ARD-Anstalten sich um ein ähnliches Portfolio bemühen: einen Pop-Sender, der mittelaltes Publikum mit den Hits seiner Jugend versorgt, einen fürs junge Publikum, ein Info- und ein Kultur- oder Klassikradio. Das hat technik-historisch nachvollziehbare Gründe. … Der ARD ist bundesweites Radio „schlicht verboten“, klagt Buhrow. Tatsächlich hätte der öffentlich-rechtliche Rundfunk mit mehr profilierten bundesweiten Programmen viel zu gewinnen und einzusparen – freilich nicht zuletzt auf Kosten der Mitarbeiter.

Verzichtbare Kleinstaaten-Anstalten: Eine der Stärken Deutschlands ist manchmal auch eine der großen Schwächen: der Föderalismus. Radio Bremen und Saarländischer Rundfunk benötigen zum Überleben den sogenannten Senderfinanzausgleich, so wie die jeweiligen Bundesländer den Länderfinanzausgleich. Dennoch sind die kleinen Anstalten bundesweit mit eigenen Sendungen kaum noch präsent.

Verwechselbare Beiboote statt eines profilierten Nachrichtenkanals: Zur Fairness gehört die Feststellung: Einiges, was große Teile der Öffentlichkeit als klare Verbesserung empfinden würden, durften die Öffentlich-Rechtlichen nie anbieten, weil privatwirtschaftliche Konkurrenz protestierte und die Politik es nicht gestattete. Ein echter Nachrichtensender à la BBC World News oder CNN wurde immer mal wieder gefordert und könnte die Vorzüge des großen Korrespondenten-Netzes von ARD und ZDF ideal ausspielen. … Stattdessen entstanden Beiboot-Sender wie der „Ereigniskanal“ Phoenix und Tagesschau24, das sich manchmal fast wie ein Nachrichtensender anfühlt, aber auch die verwechselbaren „Markt“-Sendungen der Dritten Programme wiederholt. Sprich: Beide Programme leiden unter mangelndem Profil – so wie der „Kultursender“ 3sat, der gern auch ZDF-Krimis wiederholt, und die Dritten, die mit regionalen Sendungen ihrer Bestimmung nachkommen, aber auch mit „Tatort“-Wiederholungen um bundesweite Einschaltquoten wetteifern.

Fazit: Eine insgesamt kleinere Zahl von dafür schärfer konturierten Radio- und Fernsehsendern sowie nonlinearen Internetangeboten, die alle öffentlich-rechtlichen Inhalte zusammenführen, würde aus dem jahrzehntelang in alle Richtungen gewachsenen, inzwischen verkrusteten öffentlich-rechtlichen Rundfunk einen echt „gemeinnützigen“ machen, wie Buhrow nun sagt. Aber dafür bräuchte es außer einem „Runden Tisch“ (Buhrow) auch viel Reformwillen dort, wo davon bisher wenig zu sehen war.

https://www.t-online.de/unterhaltung/tv/id_100075478/debatte-um-ard-und-zdf-das-muesste-sich-bei-den-oeffentlich-rechtlichen-aendern.html

Auch wenn es schwerfällt, muss zwischen zweierlei getrennt werden: einerseits Lebensweg und -werk Tom Buhrows, der bislang zwar als Spitzenverdiener, aber an allen Schaltstellen, an denen er wirkte, nicht als Visionär auffiel (allerdings seinen hochdotierten Ruhestand auch nicht übermorgen antritt, sondern Mitte 2025, also noch zwei Jahre mit den Folgen wird umgehen müssen). Andererseits sind nun ein paar relative Wahrheiten ausgesprochen worden, die von allen mit Entscheidungsbefugnissen in dieser Dimension bislang so nicht formuliert wurden. „Überhaupt ist die Medienpolitik der Länder der Hauptschuldige an dem Dilemma, in dem sich der öffentlich-rechtliche Rundfunk gegenwärtig befindet“, kommentierte etwa Helmut Hartung (der oft Verantwortliche der Medienpolitik interviewt) in seinem Blog medienpolitik.net.

https://www.mdr.de/altpapier/das-altpapier-2890.html