ZDF-Chef Himmler wiedergewählt
Der Fernsehrat bestätigt den Intendanten für weitere fünf Jahre – trotz der Krise um KI-Szenen im „Heute-Journal“. Vor der Wahl müssen Norbert Himmler und Chefredakteurin Bettina Schausten dem Gremium erklären, was das ZDF gelernt hat. […]
Für den Kandidaten Himmler und seine Geschäftsführung war es kein ganz wolkenfreier Termin. Vor Beginn der Wahl hatte das Aufsichtsgremium eine gute Stunde lang über den Fall diskutiert, durch den das ZDF seit Wochen in der Kritik steht und den es derzeit intern aufarbeitet. Für einen Beitrag im „Heute-Journal“ vom 15. Februar über die Einsätze der amerikanischen Behörde ICE hatte die Autorin KI-generierte Szenen verwendet, ohne sie zu kennzeichnen, eine andere Szene war veraltet und stammte aus einem anderen Zusammenhang. Auch die Kontrollmechanismen in der Senderzentrale entdeckten vor Ausstrahlung nicht, dass etwas nicht stimmte. Die KI-Regeln des ZDF erlauben keinen Einsatz von künstlich erzeugtem Material in Nachrichtensendungen, sofern es in einem Beitrag nicht ausdrücklich um das Thema KI selbst geht. Nach einer zunächst irreführenden Kommunikation zu dem Fehler zog das ZDF die Autorin von ihrem Posten als Leiterin des New-York-Studios ab und prüft derzeit weitere arbeitsrechtliche Schritte.
Der ZDF-Intendant Norbert Himmler ist vom Fernsehrat des Senders mit 48 von 53 Stimmen im ersten Wahlgang für eine zweite Amtszeit von fünf Jahren gewählt worden. […] Es gab drei Nein-Stimmen und zwei Enthaltungen. Einen Gegenkandidaten gab es nicht. […]
Besondere Spannung barg die Intendantenwahl im ZDF somit nicht mehr. und dass der Intendant Himmler die Stimmung auf seiner Seite hat, wurde schon vor dem Wahlgang offenbar, als der Fernsehrat in einer breiten Aussprache die Affäre um die Verwendung eines KI-generierten Fake-Videos im „heute journal“ aufgriff. Dabei verteidigte Himmler die Abberufung der New Yorker Studioleiterin Nicola Albrecht, die den Beitrag beigesteuert hatte. Dies sei „ein harter, aber meiner Meinung nach an dieser Stelle sehr notwendiger Schritt“ gewesen, sagte Himmler. Weitere arbeitsrechtliche Konsequenzen würden geprüft. Zugleich kündigte der Sender weitreichende Maßnahmen an, um derartige Vorfälle künftig zu verhindern. […]
Intendant Himmler räumte bei der Fernsehratssitzung in Mainz auch Fehler beim anfänglichen Umgang mit der Kritik an dem Beitrag ein. Die Tragweite des Geschehens sei nicht schnell genug erkannt worden, sagte er: „Das war eine Missachtung unserer Regeln und unserer Standards.“ […]
Im Fernsehrat wurde indes auch Kritik an einer „Wagenburgmentalität“ des Senders laut. Beim ZDF dürfe nicht der Eindruck entstehen, „Qualität“ sei „nicht so wichtig, wenn die Botschaft stimmt“, warnte der Chef der nordrhein-westfälischen Staatskanzlei und Medienminister, Nathanael Liminski (CDU), der die Debatte mit seinen Wortmeldungen prägte.
Eine Bestätigung mit fadem Beigeschmack
Dass diese Wahl am Freitag nun gar keine Wahl war, ist freilich schade – und wirft zugleich Fragen mit Blick auf das Gremium auf.
Wahlen sind nur dann echte Wahlen, wenn es eine Auswahl gibt. Ein Paradebeispiel mag das Duell zwischen Norbert Himmler und Tina Hassel (ARD) gewesen sein – der Rat hatte damals die Chance, sich entweder für neue Impulse von außen (Hassel) zu entscheiden oder aber für den ZDF-Kenner Himmler. Immerhin: Hassel bot Himmler die Stirn, zog erst nach zwei Wahlgängen zurück, um den Weg frei zu machen für eine Wahl des jetzigen Intendanten. Diesmal soll es sieben Bewerbungen gegeben haben, aber ins Rennen geht nur jemand, der von einem der Rätinnen und Räte auch vorgeschlagen wird. […]
Hat der Rat genug getan, um eine Alternative zu haben? […]
Himmlers Erfolge in einigen Bereichen sind also unbestritten – und dennoch: Angesichts der drängenden Herausforderungen wäre es allein schon erfrischend gewesen, im Rennen um den Chefposten zumindest mal einen frischen Blickwinkel und damit einhergehende neue Lösungsansätze zu hören. Diese Chance wurde im ZDF verpasst.
ZDF-Intendant Norbert Himmler sagte: „Ich danke den Mitgliedern des Fernsehrates für das in mich gesetzte Vertrauen. Wir haben in den letzten vier Jahren in der Geschäftsleitung und gemeinsam mit den Mitarbeitenden wichtige Weichen für die Zukunft des ZDF gestellt. Heute habe ich meine Ziele und Pläne für die kommenden Jahre präsentiert. Um diese in herausfordernden Zeiten umsetzen zu können, braucht es weiter die kritische Begleitung und den Rückhalt von Fernsehrat und Verwaltungsrat. Ich werde meinen Beitrag dazu leisten, das ZDF für die Herausforderungen der digitalen Zukunft bestens aufzustellen.”
Die Vorsitzende des Fernsehrates, Gerda Hasselfeldt, begrüßte das Votum für Himmler: „Die Wiederwahl unterstreicht das Vertrauen des Fernsehrats in seine Führungskraft und seine klare strategische Linie für das ZDF. In den vergangenen Jahren hat Norbert Himmler das ZDF mit Weitblick und großer Verantwortungsbereitschaft geprägt. Ich wünsche ihm viel Erfolg für die Aufgaben, die vor ihm und dem ZDF liegen. Seine neue Amtszeit werden wir weiter konstruktiv und kritisch begleiten.”
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Zu den geplanten Aufgaben der kommenden Jahre gehört aber auch ein Ausbau des Angebots für Kinder und junge Erwachsene. Im Zuge dessen sollen weitere 50 Millionen Euro für Programme umgewidmet werden, „um alle Altersgruppen zu erreichen“, kündigte der Intendant an. Gleichzeitig sollen aber auch Partnerschaften gestärkt werden – auch mit Printmedien. „Der Feind sitzt schlichtweg woanders“, sagte Himmler mit Blick auf die Konkurrenz aus Übersee. Sein Versprechen: „Ich möchte mich dafür einsetzen, dass das ZDF ein relevanter Faktor für unsere Demokratie ist.“
Diese Wahl ist keine: Heute entscheidet der ZDF-Fernsehrat über den neuen Intendanten
Weil eine weitere Journalistin ihre Kandidatur zurückzog, wird voraussichtlich Norbert Himmler im Amt bestätigt werden. Trotz der zuletzt passierten Fehler.
Himmlers neue, zweite Amtszeit beginnt am 15. März 2027
„Gravierender Vorgang“: Das sagt der ZDF-Intendant zum KI-Gate seines Senders
Die Verwendung von KI-Bildern in einer ZDF-Nachrichtensendung löste viel Kritik aus. Die Senderspitze will die Wiederholung solchen Fehler verhindern – helfen sollen mehrere Maßnahmen.
Das ZDF will mit einem Fünf-Punkte-Programm erneute Fehler mit KI-generierten Bildern und dem Umgang mit Quellen verhindern. Dazu zählen unter anderem Schulungsprogramme zu Künstlicher Intelligenz und Verifikation von Quellen und Informationen sowie verbesserte interne Abläufe, wie ZDF-Chefredakteurin Bettina Schausten in einer Sitzung des Fernsehrats des öffentlich-rechtlichen Senders in Mainz erläuterte. Auch das interne Frühwarnsystem solle verbessert werden, um Hinweise auf Fehler in Sendungen schneller zu erkennen und ihnen nachgehen zu können. […]
Es habe auch große Mängel bei der Aufarbeitung des Fehlers am ersten Tag gegeben, sagte der Intendant. „Es hat einfach zu lange gedauert, bis die handwerklichen Fehler im „heute journal“ vom 15. Februar und auch deren Tragweite erkannt wurden. Auch daraus müssen wir lernen und unsere Konsequenzen ziehen.“ […]
Schausten sprach auch davon, dass es eine Lernkultur brauche, „in der Fehler schnell zugegeben werden und nicht erst noch mal Erklärungen gesucht werden“. Man müsse diese Fehler dann anschließend auch sehr konsequent aufarbeiten und korrigieren.
