ZDF-Fernsehrat will für die Qualitätssicherung stärker wissenschaftliche Expertise nutzen

ZDF-Fernsehrat will für die Qualitätssicherung stärker wissenschaftliche Expertise nutzen

Interview mit Marlehn Thieme, Vorsitzende des ZDF-Fernsehrates

Mit der Novellierung des Medienstaatsvertrages sollen die Gremien des öffentlich-rechtlichen Rundfunks mehr Verantwortung erhalten. …. Die Richtlinien umfassen die Festsetzung inhaltlicher und formaler Qualitätsstandards sowie standardisierter Prozesse zu deren Überprüfung. In einem Gespräch mit medienpolitik.de betont die ZDF-Fernsehratsvorsitzende Marlehn Thieme, dass ihr Gremium über die dafür erforderlichen Voraussetzungen verfügt: „Der ZDF-Fernsehrat, quasi der programmliche Aufsichtsrat des ZDF, ist nach meiner Einschätzung dazu bereit und in der Lage. Als Vertretung einer pluralen Gesellschaft ist er strukturell für diese Aufgabe auch gut aufgestellt, da er mit seinen Mitgliedern ein breites Spektrum gesellschaftlicher Interessen im Blick hat und auch die unterschiedlichsten Kompetenzen vereint.“ …

Die Qualitätssicherung der Programmentscheidungen der Häuser und Fortentwicklung der Programmangebote liegen im Interesse der Gesellschaft. Durch den bereits mehrfach praktizierten Drei-Stufen-Test und das Verfahren der programmlichen Selbstverpflichtungserklärung, kann der Fernsehrat auf Erfahrungen auch inhaltlich komplexer Aufsicht zurückgreifen. Es hat sich gezeigt, dass repräsentativ zusammengesetzte Gremien durch klar strukturierte Verfahren und gegebenenfalls mit Unterstützung von Experten sowie mit entsprechend ausgestatteten Gremiengeschäftsstellen diese anspruchsvolle Aufgabe gut bewältigen können. …

Im Fernsehrat befassen wir uns bereits mit Methoden der Qualitätsmessung und schauen uns dabei auch Ansätze von Public Broadcastern aus anderen Ländern an. Zwar kann der Fernsehrat schon jetzt nach seiner Geschäftsordnung über die Hinzuziehung von Sachverständigen entscheiden, doch wird es nun darum gehen, wissenschaftliche Expertise in den Selbstverpflichtungsprozess zu implementieren.

https://www.medienpolitik.net/2022/07/wir-stehen-gegenueber-den-beitragszahlenden-in-der-pflicht/