ZDF unter Druck: Wie Arroganz und Intransparenz den ÖRR beschädigen

Der Umgang des ZDF mit Kritik, Presseanfragen und Wahrheit ist ein Systemversagen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Ein Kommentar.

Vier Sekunden KI-generiertes Filmmaterial und ein Videoschnipsel von 3 Sekunden, der in einem anderen als dem behaupteten Zusammenhang entstanden ist, sind nicht der ZDF-Skandal, der seit einer Woche verhandelt wird. […]

Der Skandal ist allein, wie das ZDF damit umgeht. Viel mehr: Wie es regelmäßig mit Fragen zu seiner Arbeit umgeht. […]

Das ZDF hat ein massives Problem mit seiner Pressestelle, die Teil der „Hauptabteilung Kommunikation“ ist. Der Umgang mit dem fehlerhaften Beitrag im „heute journal“ ist kein einmaliges Versagen und ist nicht mit dem Fehlverhalten einzelner Mitarbeiter zu begründen (das eben nie auszuschließen ist).

Es hat System, gehört zu den Wesensmerkmalen des Mainzer Senders. Und das sollte sich die Öffentlichkeit nicht länger bieten lassen. […]

Auch im aktuellen Fall schreiben zig Medien, dass ihre Presseanfragen unbeantwortet geblieben sind (Beispiele: t-online, Heise, Übermedien). Und auch das ist eben keinesfalls neu und einzigartig, sondern ZDF-System. […]

Am 13. März 2026 kandidiert ZDF-Intendant Norbert Himmler nach derzeitigem Stand der Dinge zur Wiederwahl für seinen Posten. Es wäre mehr als unfair, ihn für jeden Fehler in einer der vielen journalistischen Redaktionen seines Hauses verantwortlich zu machen.

Schließlich wünschen sich Journalisten zurecht möglichst wenig Einfluss auf ihre Arbeit durch jemanden, der im Pressewesen „Verleger“ heißen würde.

Aber für Lügen und Dreistigkeiten seiner Pressestelle trägt er die Verantwortung.

https://www.telepolis.de/article/ZDF-unter-Druck-Wie-Arroganz-und-Intransparenz-den-OeRR-beschaedigen-11185565.html

Wenn der Sender aber einer einzelnen Mitarbeiterin das Vertrauen entzieht, um in einem auf Außenwirkung bedachten Move das Vertrauen der Öffentlichkeit wiederherzustellen, das zuvor durch eineinhalbtägige Intransparenz und „irreführende Erklärungen“ gefährdet wurde („SZ“/Abo), liegt darin auch eine Botschaft nach innen: Macht keine Fehler, jedenfalls nicht solche!

Dass das kein alternativloser Vorgang ist, darauf hat, zumindest zwischen den Zeilen, der ehemalige „heute journal“-Moderator Claus Kleber hingewiesen, als Stephan-Andreas Casdorff vom „Tagesspiegel“ mit ihm sprach. Kleber verteidigte Nicola Albrecht als „tadellose, aufrechte Kollegin“, der freilich „ein schlimmer Fehler passiert“ sei. Ihn zu benennen und die internen Prozesse zu verbessern, sei richtig. Es gelte aber auch, „dafür zu sorgen, dass sich in den Redaktionen nicht das Gift der Angst breitmacht“.

https://www.mdr.de/altpapier/das-altpapier-4552.html