Zukunftsrat der Rundfunkkommission: Programme für morgen
Zukunftsrat der Rundfunkkommission: Programme für morgen
Ein Zukunftsrat soll Perspektiven für die Öffentlich-Rechtlichen entwickeln. Klingt nach einer Herkulesaufgabe. […]
Die Konservativen und die Sozialdemokraten, die die Rundfunkkommission beherrschen, haben sich auf eine 50/50-Besetzung geeinigt. Nicht schön, wenn die Parteipolitik wieder ihre Finger im Spiel hat. Die Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Redakteursausschüsse kritisiert, dass in dem Gremium niemanden aus dem „Maschinenraum“ der Sender vertreten sein wird. […]
Woran es bislang sicherlich nicht mangelte, das waren tausendundeine Idee für die künftige Struktur, Verfassung, Programme und Finanzierung von ARD, ZDF und Deutschlandradio. […]
Der Zukunftsrat hat gerade aufgrund seiner anstalts- und politikfernen Zusammensetzung eine große Chance: Nachdenken, diskutieren und formulieren, was öffentlich-rechtlicher Rundfunk in den nächsten Jahren sein könnte, sein sollte. Mal nicht über den Rundfunkbeitrag, die Zahl der Anstalten oder die Struktur der Aufsichtsgremien, sondern über das, was Sinn und Zweck dieses Rundfunksystems ist: Programm in Radio, Fernsehen und Online. Davon müssen sich alle anderen Fragen und Antworten ableiten. […]
Insbesondere der Rundfunkkommission der Länder wird es obliegen, dass das Beratergremium nicht zum Schaulaufen verurteilt sein wird.
https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/medien/zukunftsrat-der-rundfunkkommission-programme-fur-morgen-9472958.html
Reform von ARD und ZDF : Der „Zukunftsrat“ ist da
WDR-Intendant Buhrow hatte es in seiner Hamburger Rede angeregt, davor noch hatte NRW-Staatskanzleichef Liminski davon gesprochen. Jetzt ist der „Zukunftsrat“ zur Reform von ARD und ZDF da. Die Berufenen sind keine Unbekannten. […] Der „Zukunftsrat“ soll ein temporär eingesetztes Beratungsgremium sein. […]
„Die Rundfunkkommission hat mit der Einsetzung eines Zukunftsrates ihren Reformwillen bekräftigt“, sagte der nordrhein-westfälische Medienminister Nathanael Liminski (CDU) nach Bekanntwerden der Einigung. „Sowohl Angebot als auch Strukturen kommen auf den Prüfstand. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk muss heute und morgen durch Produkt und Struktur überzeugen. Nur so hat ein pflichtfinanziertes System dauerhaft Akzeptanz. Der Zukunftsrat kann hierzu wegweisende Impulse setzen.“ […] „Zu überlegen wäre, ob wir neben der KEF, die vor allem eine betriebswirtschaftliche Prüfung vornimmt, auch eine gesamtgesellschaftliche, so gesehen ‚volkswirtschaftliche‛ Betrachtung brauchen − etwa durch eine ranghoch besetzte und parteiübergreifend geführte Kommission.“
https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/reform-von-ard-und-zdf-zukunftsrat-mit-jaekel-und-de-weck-18734994.html
Doch an der Zusammensetzung des Gremiums gibt es auch schon Kritik. Die AGRA – Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Redakteursausschüsse spricht in einem Brief an die Mitglieder der Rundfunkkommission von „großem Unverständnis“ und einer „verpassten Chance“. Man habe bis zuletzt gehofft dass die Politik „uns als Programmmacherinnen und Programmmacher ebenfalls berücksichtigt“. Die AGRA kritisiert, dass in dem Gremium vor allem Juristen, Wissenschaftler und Lobbyisten sitzen – und niemand aus dem „Maschinenraum“ der Anstalten.
„Zudem erinnert uns der Besetzungsvorgang an die längst für überwunden gehaltene Zeit, in der Gremien vor allem auch nach parteipolitischen Gesichtspunkten besetzt wurden“, so die AGRA in ihrem Brief.
https://www.dwdl.de/nachrichten/92080/politik_stellt_zukunftsrat_fuer_ard_und_zdf_auf/
Überraschend dagegen ist die Berufung der Filmproduzentin und Präsidentin der Hochschule für Film und Fernsehen (HFF) in München, Bettina Reitz. Im neuen Gremium, das vor allem mit Vertretern aus Journalismus, Verlagswesen, Medienwissenschaft und Politik besetzt ist, ist sie die einzige, die den deutschen öffentlich-rechtlichen Rundfunk von innen kennt: Reitz war unter anderem Leiterin des Programmbereichs Spiel-Film-Serie beim Bayerischen Rundfunk und Geschäftsführerin der Degeto Film, der Filmeinkaufsorganisation der ARD.
2012 wurde sie Fernsehdirektorin des Bayerischen Rundfunks und verantwortete drei Oscar-prämierte Produktionen, darunter 2007 Das Leben der Anderen von Florian Henckel von Donnersmarck. Die strukturellen Probleme der Öffentlich-Rechtlichen dürfte sie als einzige kennen. […]
Liminski hatte im September 2022 nach den Verschwendungs- und Filzvorwürfen beim RBB einen Expertenrat angeregt. Dieser sollte die Betrachtung des ÖR aus einer gesamtgesellschaftlich „volkswirtschaftlichen“ Perspektive vornehmen und damit die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) unterstützen, die vor allem eine betriebswirtschaftliche Prüfung vornehme.
https://www.sueddeutsche.de/medien/ard-zukunftsrat-oeffentlich-rechtlicher-rundfunk-1.5765827
Was fällt auf? Drei Männer, fünf Frauen. Also schon mal keine Altherren-Veranstaltung. […] Und das Alter? Volker Nünning hat die Geburtsjahrgänge zusammengetragen. Das jüngste Mitglied ist am Ende des Jahres 39 (Maria Exner), das älteste 70 (Roger de Weck). Das von der CDU nominierte Quartett (Huber, Weck, Reitz, Klass) ist im Schnitt 60 Jahre alt, das der SPD ist deutlich jünger, 46. Damit ergibt sich ein Durchschnittsalter von 53 Jahren. Und das liegt ungefähr acht Jahre über dem Durchschnittsalter der deutschen Bevölkerung, aber immer noch deutlich unter dem Durchschnittsalter des Fernsehpublikums.
Das hätte man anders machen können. Ungefähr die Hälfte der Bevölkerung ist jünger als das jüngste Mitglied des Rates. Allerdings hätten sich dann wieder andere Probleme ergeben: Acht Sitze können nicht alles repräsentieren, und man kann auch argumentieren: Ein bisschen Erfahrung ist für so eine Aufgabe nicht schlecht. Man kann aber natürlich auch sagen: An einem Zukunftsrat sollten vor allem die Menschen beteiligt sein, die diese Sache in der Zukunft betreffen wird.
Einen anderen Kritikpunkt hatte der Medienwissenschaftler Otfried Jarren vor einer knappen Woche im „Medieninsider“ genannt: Im bisher bekannten Kompetenzfeld des Gremiums fehlten wesentliche Bereiche: Technologie, Organisationsentwicklung beziehungsweise Change-Management sowie Medienökonomie. Das gilt auch für die aktuelle Zusammensetzung. Und es stelle sich laut Jarren die Frage, ob “rundfunkrechtliche Kompetenzen” nötig seien. Die könne man auch jederzeit von außen einholen.
https://www.mdr.de/altpapier/das-altpapier-3058.html
