Schweitzer fordert Aufarbeitung des KI-Vorfalls beim ZDF

Das ZDF muss nach Aussage des rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Schweitzer gründlich aufarbeiten, wie ein Fake-Video in einen Beitrag des „Heute Journals“ gelangen konnte. Bislang bleibe der Sender noch Antworten schuldig. Der Journalismusforscher Volker Lilienthal spricht von „Täuschung der Öffentlichkeit“. […]

Der Journalismusforscher Volker Lilienthal bezeichnete das Agieren des ZDF in der Sache als „Täuschung der Öffentlichkeit“. Diese habe am Dienstagabend ihren Höhepunkt erreicht, als im „Heute Journal“ eine Regel zitiert worden sei, die sich in den offiziellen KI-Grundsätzen des Senders gar nicht finde, sagte Lilienthal dem Nachrichtenportal „t-online“ (Mittwoch). Die Regel, dass der Einsatz KI-generierter Bilder und Videos von Menschen, Ereignissen und politischen Zusammenhängen „im Nachrichtenbereich nicht möglich“ sei, sei aber durchaus vernünftig.

https://medien.epd.de/article/4294

KI-Bilder im „heute journal“: ZDF schickt Mitarbeiter zu Pflichtschulungen

Das ZDF zieht Konsequenzen aus dem KI-Skandal. Mitarbeiter müssen zu Pflichtschulungen. Moderatorin Hayali soll keine Schuld treffen. […]

Gegenüber dem Spiegel präzisierte das ZDF inzwischen die internen Abläufe. Die Autorin des Beitrags habe nach Darstellung des Senders „Videomaterial zur Bebilderung ihres Beitrags ausgewählt, ohne es vorher gewissenhaft und vollständig auf Herkunft und Authentizität überprüft zu haben“. Das entspreche nicht den journalistischen Regeln und Standards des ZDF. Weiter heißt es: „Auch von der ‚heute journal‘-Redaktion wurden die Prüf- und Verifikationsverfahren nicht wie vorgesehen angewendet“. Die Moderatorin Dunja Hayali habe demnach keine Kenntnis von den handwerklichen Fehlern im Beitrag gehabt.

https://www.berliner-zeitung.de/kultur-vergnuegen/tv-medien/ki-bilder-im-heute-journal-zdf-schickt-mitarbeiter-zu-pflichtschulungen-li.10019872

Pflichtschulungen zu KI? Warum das ZDF das falsche Problem behandelt – und worum es wirklich geht

KI-Fake im ZDF offenbart politisches Problem. Sender reagiert mit Pflichtschulungen statt echter Aufarbeitung. Eine vergleichende Analyse. […]

Man muss das einen Moment wirken lassen. Ein Sender, der erst wenige Wochen zuvor gemeinsam mit ARD, Deutschlandradio und Deutscher Welle einen feierlichen KI-Kodex verabschiedet hat – sechs Grundsätze, „Human in the Loop“-Prinzip, redaktionelle Kontrolle als „höchstes Gut“ –, reagiert auf dessen spektakuläres Scheitern mit dem Versprechen, seine Mitarbeiter nun endlich zu schulen. Als hätte es an Wissen gefehlt.

Die Diagnose lautet also: professionelles Defizit. Mangelnde Kompetenz im Umgang mit KI-generierten Inhalten. Unzureichende Verifikationsroutinen. Ein handwerklicher Betriebsunfall. Das ist bequem. Es ist auch falsch.

Denn das Problem, das der Heute-Journal-Beitrag offenbart, ist kein technisches und kein didaktisches. Es ist ein politisches. Die Frage ist nicht, ob die Autorin wusste, wie man ein KI-Video erkennt – das Sora-Wasserzeichen war mit bloßem Auge sichtbar. Die Frage ist nicht, ob die Redaktion die Verifikationsverfahren kannte – sie sind im hauseigenen Kodex nachzulesen. Die Frage ist, warum ein Beitrag, der ein bestimmtes politisches Narrativ – „Trump lässt brutal abschieben“ – mit Bildern unterfüttern sollte, die dieses Narrativ stützen, durch sämtliche Kontrollinstanzen ging, ohne dass jemand stutzig wurde.

Die Antwort liegt nicht in fehlender Schulung. Sie liegt in fehlender Distanz. […]

Die hoch bezahlten Führungskräfte des öffentlich-rechtlichen Rundfunks versagen an der zentralen Stelle ihres Auftrags: Sie schützen nicht die journalistische Unabhängigkeit vor politischer Vereinnahmung – sie dulden die Vereinnahmung, solange sie von der richtigen Seite kommt.

Das ist das eigentliche Problem. Und Pflichtschulungen werden es nicht lösen.

https://www.berliner-zeitung.de/kultur-vergnuegen/pflichtschulungen-zu-ki-warum-das-zdf-das-falsche-problem-behandelt-und-worum-es-wirklich-geht-li.10019893

Genau das Problem des poltischen Narrativs haben wir in unserer Programm-Beschwerde thematisiert.