„FAZ“ entfernt KI-Text von Mario Voigt aus dem Archiv
“Ich trete in das Vermächtnis eines Anspruchs”
“FragDenStaat” wirft Thüringens Ministerpräsidenten Mario Voigt vor, Künstliche Intelligenz nicht nur in einem umstrittenen “Welt”-Gastbeitrag, sondern offenbar auch bei zahlreichen Reden und Artikeln eingesetzt zu haben. Eine Auswertung lege nahe, dass mehrere Texte aus Voigts Amtszeit zu großen Teilen oder vollständig KI-generiert seien. Problematisch sei vor allem die fehlende Kennzeichnung, denn eine Thüringer Dienstanweisung sehe bei wesentlich KI-generierten Texten Transparenz vor.
https://bildblog.de/153533/ki-in-der-staatskanzlei-correctiv-antwortet-lanz-film-brennt-gut/
Voigts Rede über den Holocaust und dessen Opfer enthält zahlreiche Passagen, die für KI-generierte Sprache typisch sind. Dazu zählen wiederholte Verneinungen und sowohl generische als auch schwer greifbare Sprachbilder. „Auschwitz war nicht das Werk eines erfundenen Ungeheuers. Es war das Werk von Menschen, die dachten, dass ihr Handeln im Einklang mit einem höheren Ziel stehe“, heißt es in der Rede. An anderer Stelle beschreibt Voigt die Überlebenden des KZ mit den Worten „Ihre Augen waren leer und zugleich unendlich tief“. Dieser und andere Sätze über die Auschwitz-Überlebenden finden sich wortgleich auch wenige Monate später in einer Rede Voigts zur Befreiung des Konzentrationslagers Buchenwald. Auf unsere Frage, ob es zutrifft, dass Voigts NS-Gedenkrede vollständig durch KI generiert wurde, antwortete seine Regierungssprecherin nicht.
Und auch bei zahlreichen weiteren Reden, die Voigt seit seinem Amtsantritt gehalten hat, scheint Künstliche Intelligenz eine entscheidende Rolle gespielt zu haben. Eine Analyse von Voigts Reden sowie von Zeitungsartikeln, die unter dem Namen des Ministerpräsidenten veröffentlicht wurden, zeigt ein deutliches Bild. Von elf analysierten Reden erkennt das Analysetool Pangram nur bei einem einzigen Text keine Hinweise darauf, dass der Text mit KI erstellt wurde. […]
Auf Nachfrage schreibt uns Voigts Sprecherin, die Staatskanzlei nutze KI als unterstützendes Werkzeug: „Die Systeme werden unterstützend bei der Erstellung von Reden, Texten und Beiträgen eingesetzt.“ Sie würden KI nicht als Ersatz menschlicher Arbeit, sondern als zeitgemäßes Hilfsmittel bewerten. […]
Noch deutlicher fällt das Analyseergebnis für die Texte aus, die als Gastbeiträge Voigts in verschiedenen Zeitungen erschienen: für drei von vier Texten kommt Pangram auf einen KI-Anteil von 100 Prozent. […]
Zudem zitiert der Text drei Wissenschaftler, um die These des Artikel zu bekräftigen: Den Psychologen Jonathan Haidt, den Neurobiologen Gerald Hüther und den Neurowissenschaftler Manfred Spitzer. Keines der Zitate, die ihnen im Text zugeschrieben werden, konnten wir in ihren Büchern oder Online-Beiträgen verifizieren.
https://fragdenstaat.de/artikel/exklusiv/2026/06/ich-trete-in-das-vermachtnis-eines-anspruchs/
„FAZ“ entfernt KI-Text von Mario Voigt aus dem Archiv
Die „FAZ“ löscht wegen Hinweisen auf KI-Nutzung einen Gastbeitrag des thüringischen Ministerpräsidenten Mario Voigt aus dem Archiv. Das Internet-Portal „Frag den Staat“ hatte Hinweise auf eine automatische Erstellung des Textes gegeben. Ein KI-Erkennungsprogramm habe dem Beitrag über Social-Media-Sperren für Jugendliche einen KI-Anteil von 100 % attestiert. Angebliche Zitate von Experten ließen sich nicht verifizieren. Die Thüringer Staatskanzlei habe der „FAZ“ auf Nachfrage lediglich allgemein zur Nutzung moderner Technologien in der Verwaltung geantwortet. „Diese Einlassung genügt uns als Antwort nicht“, begründet die „FAZ“ die Löschung. Bereits kürzlich stand ein Text von Voigt und seinem Amtskollegen Sven Schulze in der „Welt“ wegen KI-Nutzung in der Kritik.
Das Programm Pangram ist mitnichten perfekt, liefert keinen endgültigen Beweis, hat auch schon danebengelegen, gibt aber in der Regel ernst zu nehmende Hinweise auf die Verwendung von KI.
Für die F.A.Z. gelten im Umgang mit Künstlicher Intelligenz folgende Grundsätze: „Wir veröffentlichen heute und auch künftig keine Originalbeiträge mit von KI generiertem Text. Es sei denn, die Tatsache, dass der Text von KI generiert wurde, ist der eigentliche Sinn des Beitrags. In solchen Fällen legen wir die Verwendung offen und weisen auf Fehler hin. Dies gilt auch für redaktionelle Texte auf anderen Plattformen, zum Beispiel in E-Mail-Newslettern.“ […]
Bei Gastbeiträgen verlassen wir uns darauf, dass sie menschengemacht sind und indirekte und direkte Zitate stimmen. Daher haben wir an die thüringische Staatskanzlei die Anfrage gerichtet, ob der Gastbeitrag von Mario Voigt von KI generiert wurde und ob die dort eingefügten wörtlichen Zitate zutreffen.
Zur Antwort bekamen wir leider nur folgende allgemeine Hinweise: „Zunächst ist festzuhalten, dass der Einsatz von Künstlicher Intelligenz im Jahr 2026 zum Arbeitsalltag moderner Organisationen gehört und eben auch zur öffentlichen Verwaltung. Die Thüringer Landesregierung verfolgt mit ihrer KI-Strategie das Ziel, die Verwaltung fit für die Zukunft zu machen – digitaler, effizienter, bürger- und unternehmerfreundlicher. Ohne den gezielten Einsatz moderner Technologien, zu denen auch Anwendungen der Künstlichen Intelligenz gehören, wird dieses Ziel nicht zu erreichen sein. Auch die Thüringer Staatskanzlei nutzt daher KI-Anwendungen als unterstützendes Werkzeug. Die Systeme werden unterstützend bei der Erstellung von Reden, Texten und Beiträgen eingesetzt. Vor diesem Hintergrund bewerten wir KI nicht als Ersatz menschlicher Arbeit, sondern als zeitgemäßes Werkzeug – wie auch bei diesem Gastbeitrag. Eine generelle Kennzeichnungspflicht für Texte, die unter Nutzung von KI-Systemen erstellt oder unterstützt wurden, besteht nicht. Gleiches gilt auch für Textbeiträge in den sozialen Medien.“ […]
Diese Einlassung genügt uns als Antwort nicht. Wir haben den Gastbeitrag von Mario Voigt bei FAZ.NET depubliziert und im F.A.Z.-Archiv gesperrt.
