ARD-Reformvorhaben mit vielen Fragezeichen
ARD-Reformvorhaben mit vielen Fragezeichen
ARD stellt Weichen für den Reformweg: jetzt wird es konkret“. Abgesehen davon, dass nur sehr wenig Konkretes der Öffentlichkeit mitgeteilt wird, sind die jetzt geplanten Änderungen nicht die erste große Reform innerhalb der ARD, wie der Eindruck entstehen könnte: 1998 erfolgte die Fusion aus Süddeutschem Rundfunk und Südwestfunk zum SWR und 2017 einigten sich die Intendanten unter dem Vorsitz der MDR-Intendantin Karola Wille auf ein Einsparpaket von 2 Milliarden Euro durch eine Begrenzung der Altersbezüge und eine Strukturreform in den Bereichen Verwaltung, Betrieb und Technik. Am 2. Januar startete beim MDR und anderen ARD-Anstalten ein Projekt, das zu diesen 2017 beschlossenen organisatorischen Veränderungen gehört: Die ARD-einheitliche Anwendung eines SAP-Systems für die Verwaltung. Für die ARD-Rundfunkanstalten, das Deutschlandradio und die Deutsche Welle eine Revolution. […]
Nun will die ARD anscheinend nach sechs Jahren einen Schritt weitergehen und nicht nur Kompetenzen in der Organisation und Technik bündeln, sondern auch bei inhaltlichen Angeboten. […]
Diese Kompetenzcenter sind, wenn sie Kosten sparen und auch den Personalbedarf reduzieren ein richtiger Weg, um mit dem Beitrag besser zu wirtschaften. Doch welchen ökonomischen Effekt bringen sie? Welche Einsparungen sind dadurch möglich? […]
Zum anderen ist die Rede von einer „gemeinsamen technische Infrastruktur für alle Landesrundfunkanstalten“. Die ist sicher längst notwendig. Aber noch dringender ist eine gemeinsame technische Basis mit dem ZDF. Die Länder wollen beide öffentlich-rechtliche Sendergruppen im nächsten Medienänderungsstaatsvertrag zu einer gemeinsamen Mediathek zwingen, gegen die sich vor allem das ZDF sträubt. Warum fängt die ARD wieder etwas alleine an zu entwickeln, was einer der wichtigsten Eckpunkte der Digitalstrategie des öffentlich-rechtlichen Rundfunks sein soll? Wann schafft man endlich dafür eine gemeinsame Arbeitsgruppe mit dem ZDF?
Interessanterweise fehlt bei der Auflistung vom 22. Juni das mehrfach genannte Mantelprogramm für alle Dritten. Auch das würde Kosten sparen. […]
Warum sind diese Reformvorhaben nicht bereits bei der Bedarfsanmeldung eingeflossen? Die ARD drückt sich vor konkreten Zahlen und gefällt sich in Allgemeinplätzen. Warum? Haben die Intendanten Angst, dass die KEF diese möglichen Einsparungen berücksichtigt? Aber die Finanzkommission rechnet bekanntlich sowieso mit spitzer Feder alles nach. Wie ernst ist es um die Aussagen der ARD also bestellt, effizienter und kostengünstiger zu wirtschaften? Man muss kein Prophet sein, um zu sehen, dass dieses Reformpaket keine Auswirkungen auf die Festlegung des Rundfunkbeitrages ab 2025 haben wird: Zu unkonkret, zu nebulös zu wenig ambitioniert.
https://www.medienpolitik.net/2023/06/ard-reformvorhaben-mit-vielen-fragezeichen/
