Bundeszentrale für politische Wahrheit?

Wirrer als die Originale: Bundeszentrale für politische Wahrheit?

In der Kampagne der bpb werden Themen wie 9/11, Chemtrails, Antisemitismus, Reptiloide, „Flache Erde“, „Lügenpresse“ und „Islamisierung“ sehr bunt und aufmerksamkeitsheischend miteinander verrührt. Gesellschaftlich relevante Debatten, wie zum Misstrauen gegenüber den Leitmedien oder zu den Zweifeln an der amtlichen Darstellung des „War on Terror“, werden somit weitgehend beliebig mit geisteskranken Wahnideen von Splittergruppen vermengt – eine in den Medien seit Jahren beliebte Methode im Umgang mit den sogenannten „Verschwörungstheorien“. Dass nun auch eine Bundesbehörde mit amtlichem Bildungsauftrag in solch trübem Fahrwasser schwimmt, erscheint als neue Stufe der Verwirrung beziehungsweise Desinformation.

Im Zusammenhang mit dieser Kampagne sind die historischen Wurzeln der Bundeszentrale für politische Bildung erwähnenswert. Organisatorischer Vorläufer war vor genau hundert Jahren die sogenannte „Zentralstelle für Heimataufklärung“, die während des Ersten Weltkrieges, im März 1918, gegründet wurde, mit dem Ziel, durch Pressekampagnen die Bevölkerung auf die Regierungslinie einzuschwören. Der Sieg an der Heimatfront war ähnlich wichtig wie der über den äußeren Feind.